BERLIN, 21. Oktober. Einen Tag nach der Ausfuhrgenehmigung für einen Leopard-Kampfpanzer in die Türkei hält bei den Grünen der Ärger über die Entscheidung des Bundessicherheitsrats an. Zwar sehen Bundestagsfraktion und Partei in der Zustimmung zum Export des deutschen Leo nicht eine Koalitionskrise, wohl aber eine "Belastungsprobe" für die Koalition. Im Koalitionsausschuss am kommenden Montag sollen alle strittigen Punkte mit dem Regierungspartner besprochen werden. "Wir sind entschlossen, alles zu tun, um das Geschäft insgesamt zu verhindern", bekräftigte Bundesgeschäftsführer Reinhard Bütikofer. Die Türkei will möglicherweise 1 000 deutsche Leopard anschaffen.Eine zentrale Forderung der Grünen ist nun die Rückkehr zum Prinzip der Einstimmigkeit im Bundessicherheitsrat. "Die Abweichung von diesem Prinzip in zentralen Fragen muss rückgängig gemacht werden", betonte Bütikofer. Unter früheren Bundesregierungen waren die Beschlüsse des Bundessicherheitsrates einstimmig gefasst worden. In strittigen Fällen wurde der Konsens zwischen Kanzler und Außenminister gesucht. In keinem Falle sind früher Entscheidungen gegen das Votum des Außenministers gefallen. Die neue Entwicklung unter Rot-Grün sieht die verteidigungspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Angelika Beer, mit Sorge. "Es kann nicht sein, dass mit Mehrheitsentscheidungen im Bundessicherheitsrat Grundsatzpositionen der Koalition ausgehebelt werden", kritisierte sie.Der Bundestagsabgeordnete Matthias Berninger mag die Niederlage des Außenministers in der Panzerfrage "nicht schönreden". Die Entscheidung sei "höchst unerquicklich", sagt der Vertreter des Realo-Flügels: "Die Grünen können das Verhalten Schröders nicht gutheißen, dass er uns einfach überstimmt." Es tue der "Architektur" des Regierungsbündnisses nicht gut, wenn ein Partner noch dazu "Inhalte der Koalitionsvereinbarung in die Tonne tritt". Von einer Niederlage des Außenministers mochte Bütikofer wiederum nicht reden. Vielmehr habe der Außenminister "Prinzipienfestigkeit" gezeigt und sei "nicht in Liebedienereien gegenüber türkischen Generalen verfallen".Im Auswärtigen Amt waren gestern keine versöhnlichen Töne zu hören. Ob ein Panzer oder tausend in die Türkei geschickt würden, sei letztlich kein entscheidender Unterschied mehr. Anders als in anderen strittigen Fragen der Koalition gebe es bei solchen Waffenlieferungen kein breites Spektrum von Lösungsmöglichkeiten; hier zähle nur die Alternative "topp oder flopp".In der Umgebung des Außenministers hofft man nun allenfalls darauf, dass die US-Konkurrenz den Vorzug vor dem deutschen Unternehmen Krauss-Maffei-Wegmann bekommen könnte und den Deutschen weitere Entscheidungen erspart würden. Nun soll erkundet werden, wie entschlossen der Protest in den eigenen Reihen ist. Zudem hofft das Auswärtige Amt darauf, dass in der SPD der Widerstand wächst. In dieser Frage ist Bütikofer zuversichtlich. Er glaube nicht, dass sich die SPD-Fraktion bei 1 000 Panzern noch einmal "über den Tisch ziehen" lasse.PANZER SPD-Protest // Die SPD-Europa-Abgeordneten haben die Bundesregierung aufgefordert, ihre Entscheidung zur Ausfuhr eines Panzers zurückzunehmen.Der Beschluss müsse korrigiert werden, um "ein Minimum an sozialdemokratischer Glaubwürdigkeit herzustellen", hieß es. Die Entscheidung widerspreche sozialdemokratischen Grundsätzen zu Rüstungsexporten.