BERLIN, 8. September. Vor dem Hintergrund hoher Benzin- und Ölpreise wollen die Grünen Bio-Kraftstoffen zum Durchbruch verhelfen. "Alle größeren Tankstellen sollten gesetzlich zu einer grünen Zapfsäule verpflichtet werden", sagte Verbraucher-Staatssekretär Matthias Berninger (Grüne) der Berliner Zeitung. Die Zapfsäulen sollten etwa Biodiesel, Biogas oder Bioethanol anbieten. Verbraucher müssten ein flächendeckendes Angebot vorfinden, um so einen Anreiz zum Kauf eines Wagens mit alternativen Antrieben zu haben, forderte Berninger.Kritik an der AutoindustrieDerzeit gibt es laut Mineralölwirtschaftsverband rund 15 300 Tankstellen in Deutschland. Allerdings bieten gegenwärtig nur 1 900 Biodiesel als Kraftstoff an. Biogas und Bioethanol sind noch weniger verbreitet. In Schweden tritt 2008 eine gesetzliche Pflicht für grüne Zapfsäulen in Kraft. Nach den Vorstellungen Berningers sollte dies auch für Deutschland gelten, allerdings nur für größere Zapfstellen ab acht Säulen. Dies beträfe rund 80 Prozent aller Tankstellen."Wir müssen Biokraftstoffe aus der Nische holen und in die Breite gehen", forderte auch der Vorsitzende der grünen Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Finanzen, Gerhard Schick. Dazu müsse man das Tankstellennetz ausweiten und die Fuhrparke der öffentlichen Hand mit mehr Öko-Wagen ausstatten. Alternative Treibstoffe böten große Arbeitsplatzpotenziale im ländlichen Raum, aber auch in der Automobilwirtschaft, so Schick.Eine Woche vor der Eröffnung der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt forderten die Grünen die Automobilwirtschaft auf, mehr Wagen mit Antrieben etwa für Biodiesel, Pflanzenöle, Erdgas oder Ethanol auf den Markt zu bringen. Wenn Appelle nicht weiter helfen, müsse man über eine gesetzliche Pflicht für die Automobilwirtschaft nachdenken, forderte Staatssekretär Berninger. Er warf der Industrie vor, die Markteinführung derartiger Technologien unnötig zu verzögern. "Statt nur auf P.S. zu setzen, sollten Hersteller wie Volkswagen die Zukunftschancen neuer Antriebssysteme erkennen", betonte der Grünen-Politiker.Auf der Messe in Frankfurt will der Automobilhersteller Ford zwei Bioethanol-Modelle vorstellen, die jetzt auch in Deutschland angeboten werden sollen. Bioethanol ist ein Alkohol, der zum Beispiel aus Getreide, Zuckerrüben oder Holz gewonnen wird. Die Treibstoffe für die neuen Ford-Wagen bestehen zu 85 Prozent aus Ethanol und 15 Prozent Benzin. In Schweden sind die Wagen anders als in Deutschland schon weiter verbreitet.------------------------------Pflanzen im AutotankBiodiesel ist der derzeit wichtigste biogene Kraftstoff auf dem deutschen Markt. Er wird aus Raps oder Sonnenblumen hergestellt. 2004 wurde eine Millionen Tonnen produziert - das entspricht rund zwei Prozent des deutschen Kraftstoffbedarfs. Biodiesel wird zum größten Teil als Beimischung für fossile Kraftstoffe aber auch pur produziert.Bioethanol gilt als Kraftstoff der Zukunft. In den USA fahren bereits fünf Prozent der Neuwagen mit Ethanol bzw. Ethanol-Benzin Mischungen.------------------------------Grafik: Biodiesel-Absatz