Berlin - Die Frau, die von den Laternenpfählen herablächelt, wirkt auf den ersten Blick wie eine FDP-Kandidatin: Business-Blazer, geföntes blondes Haar und dazu ein energischer Blick, als wolle sie einem sogleich das Taschengeld kürzen. Die Frau trägt den Namen Cordelia Koch, gebürtige Hessin, 44 Jahre alt, Juristin. Sie tritt im Zentrum Pankows für die Partei an, die viele auch als Partei der Besserverdienenden bezeichnen, die Grünen.

Wenige Tage vor der Wahl steht Cordelia Koch an der Breiten Straße und will Flugblätter verteilen. Sie trägt T-Shirt, schlichten Rock, orangefarbene Flipflops, also das Gegenteil von dem eher tussihaften Plakat.

Cordelia Koch ist viel zu schlau, um zu zeigen, ob es sie ärgert, mit der FDP in Verbindung gebracht zu werden. Es gefällt ihr, mit den Erwartungen zu spielen. Sie habe sich vom Klischee der grünen Strickpulli-Trägerin absetzen wollen.

In der Landespolitik kennen sie noch nicht so viele, obwohl sie im Bezirk schon eine Weile aktiv ist. Sie engagiert sich für die Erneuerung von Geh- und Radwegen, gegen den Bau von Wohnungen in der Elisabeth-Aue. Im Landesparlament will sie vor allem die Verwaltung bürgerfreundlicher machen. Seit sechs Jahren leitet sie den Kreisverband Pankow mit 700 Mitgliedern. „Das ist der größte Kreisverband Ostdeutschlands“, wie sie sagt.

Wahlkampf im SPD-Revier

Den Wahlkreis, in dem sie antritt, gewinnt seit Jahren die SPD, das Direktmandat 2011 holte Torsten Schneider, ehrgeiziger Vertrauter des SPD-Fraktionschefs Raed Saleh. Umfragen zufolge könnte das Direktmandat diesmal an die Linkspartei gehen. Anders gesagt: Wenn die Grüne Koch gewinnen würde, wäre das eine große Überraschung. Über die Liste ist sie nicht abgesichert.

Immerhin hat sie prominente Unterstützer. An diesem Nachmittag sind die Bundesvorsitzende Katrin Göring-Eckardt und Bernd Albani, ehemaliger Pfarrer der Gethsemane-Kirche dabei.

Nach Feierabend sieht man für Berliner Verhältnisse in dieser Ecke viele Anzugträger in die schicken Neubauten rund um den Schlosspark verschwinden, jetzt am Nachmittag eilen vor allem junge Mütter vorbei, zwei Kinder an der Hand und gut gelaunte Rentner.

Die Stimmung, sagt Cordelia Koch, habe sich seit der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern geändert, sei aggressiver geworden. Der Erfolg der AfD habe auch in Pankow einige mutig gemacht. „Da herrscht die Meinung: Denen da oben zeigen wir es mal“, sagt sie. An diesem Tag ist davon nichts zu spüren, der Kandidatin wird Sympathie gezeigt.

Sie drückt einem Mann mit langem grauen Haar einen Flyer in die Hand, er lächelt. „Wird spannend“, sagt er, „die Befürchtungen sind ja, dass es für Rot-Rot-Grün nicht reicht.“ Dann läuft er weiter. Eine Rentnerin mit rot gefärbtem Haar spricht die Kandidatin direkt an: „Sie sind doch die mit falschen Wahltermin“, sagt sie. In einer Auflage der Flyer wurde der 19. September als Wahltermin gedruckt. Ein Tippfehler. Trotzdem ärgerlich für jemanden, der die Verwaltung effizierter machen will. Die Rentnerin läuft weiter, Cordelia Koch versucht das Positive zu sehen: „Immerhin hat sie mich erkannt.“

Die nächste Rentnerin steht vor ihr und fängt an zu schwärmen. „Sie haben doch diese tolle Vorsitzende, Frau Pop, sie hat sogar ein Direktmandat in Mitte.“ Das wolle sie Pankow auch versuchen, sagt Cordelia Koch und blinzelt in die Sonne.