Grüne Pädophilie-Debatte: Volker Beck durch Archivfund unter Druck

Im Zuge der Aufarbeitung von Pädophilie-Verstrickungen der Grünen sieht sich jetzt auch deren Parlamentarischer Geschäftsführer im Bundestag, Volker Beck, mit einem Dokument aus der Frühphase seiner Karriere konfrontiert. Die Politikwissenschaftler Franz Walter und Stephan Klecha, die das Thema im Auftrag der Partei untersuchen, stießen bei ihren Recherchen auf die bislang verschollene Urfassung eines 25 Jahre alten Aufsatzes, in dem Beck unter anderem eine Entkriminalisierung von einvernehmlichen und gewaltfreien Sexualkontakten zwischen Erwachsenen und Kindern forderte. Beck verfasste es als Schwulenreferent der Grünen-Fraktion in Bonn. Nach einem Hinweis Klechas überließ Beck der Berliner Zeitung eine Kopie des Fundstücks.

In gedruckter Form erschien der Text 1988 in dem Sammelband „Der pädosexuelle Komplex“. Herausgeber war seinerzeit der Soziologe Joachim S. Hohmann unter dem Pseudonym Angelo Leopardi. Beck muss sich bis heute regelmäßig in der Öffentlichkeit für diesen Aufsatz rechtfertigen, obwohl er spätestens Anfang der 1990er Jahre von seinen damaligen Thesen abgerückt war. Zur Verteidigungslinie des Politikers gehört die Aussage, dass der Text gegen seinen Willen vom Herausgeber redigiert und verfälscht worden sei.

Keine genaue Erinnerung mehr

Nach dem Fund des Manuskriptes lässt sich nun erstmals der Wahrheitsgehalt dieser Aussage überprüfen: Ein Vergleich des Ur-Textes und der gedruckten Fassung zeigt, dass der Herausgeber lediglich an zwei Stellen größere Veränderungen vornahm. Beck hatte 1988 seinem Text folgenden Titel gegeben: „Reformistischer Aufbruch und Abschied von einer ,radikalen’ Forderung – Plädoyer für eine realistische Neuorientierung der Sexual- (Strafrechts-) Politik im Hinblick auf eine Entkriminalisierung der Pädosexualität“. Daraus machte der Herausgeber: „Das Strafrecht ändern? Plädoyer für eine realistische Neuorientierung der Sexualpolitik.“ Eine Zwischenüberschrift Becks lautete: „Möglichkeiten und Strategien einer neuen Sexual- (Strafrechts-) Politik – auch für den Bereich der Pädosexualität“. Daraus wurde: „Wie kann man das Sexualstrafrecht verändern?“

Beck sagte der Berliner Zeitung: „Ich bin froh, dass das Typoskript gefunden wurde. Es lag mir nicht mehr vor und war bislang nicht auffindbar, ich hatte keine genaue Erinnerung daran.“ Er fühle sich in der Annahme bestätigt, dass der Text verändert wurde. Hohmann habe seine zentrale Aussage, nämlich den „Abschied von einer radikalen Forderung“ (gemeint war die Abschaffung des Sexualstrafrechts), wegredigiert. Diese Überschrift habe erkennbar nicht ins Konzept Hohmanns gepasst – „war sie doch eine klare Absage an eine damals gängige Forderung in der Schwulenbewegung.“

Nach Auffassung Becks bestätigt das Dokument auf beschämende Weise, wovon er sich bereits mehrfach distanziert habe: Es sei eine vollkommen falsche Annahme gewesen, „dass man theoretisch zwischen gewaltlosen, angeblich harmlosen Sexualkontakten mit Zustimmung und gewaltförmigen, schädlichen Sexualkontakten zwischen Erwachsenen und Kindern unterscheiden könne“. Von dieser falschen Grundannahme sei der Text geprägt. Dafür wolle er sich noch einmal entschuldigen.

Hinweis der Redaktion:

Volker Beck hat hierzu auf seiner Homepage eine Stellungnahme veröffentlicht. Diese beinhaltet zwei Dokumente, die zum Herunterladen zur Verfügung gestellt werden. In den Dokumenten ist der Hinweis enthalten: "Ich distanziere mich von diesem Beitrag. Volker Beck" und "Dieser Text ist nicht autorisiert und durch freie Redigierung in Überschrift und Textzeilen durch Hrsg. verfälscht. Ich distanziere mich von diesem Beitrag. Volker Beck"