Eigentlich hatte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) versprochen, gerade die Schulen in Problemvierteln stärken zu wollen. Doch zum neuen Schuljahr tritt nun eine Regelung in Kraft, die diesen Ankündigungen widerspricht: Grundschulklassen in sozialen Brennpunkten verlieren die bisher üblichen zwei Förderstunden pro Woche, wenn sie nur 21 Schüler haben. Hat eine Grundschulklasse 22 Schüler gibt es künftig statt zwei Förderstunden nur noch eine. Mit diesen Förderstunden sollten vor allem die Deutschkenntnisse der Schüler verbessert werden. Die bisherige Regelung galt für Klassen, in denen mehr als 40 Prozent nichtdeutscher Herkunft sind. „Eine böse Überraschung“ sei das, empörte sich Sigrid Baumgardt, Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW. „Hier werden Schulen abgestraft, die völlig korrekt handeln, um dem Spardruck nachzugeben.“

Laut der bisherigen Grundschulverordnung sind Klassengrößen zwischen 23 und 26 Schülern vorgesehen. Wenn mehr als 40 Prozent der Schüler nichtdeutscher Herkunft sind oder aus Familien stammen, die Sozialhilfen beziehen, sollen in einer Klasse zwischen 21 und 25 Schüler sein.

„Die neue Regelung aber bedeutet in meinem Falle, dass ich eine Lehrerstelle verliere“, sagt Christiane Freund von der GEW-Schulleitervereinigung und gleichzeitig Leiterin der Weddinger Möwensee-Grundschule. Nach Schätzungen der Gewerkschaft werden dadurch insgesamt etwa 50 Lehrerstellen eingespart.

Die Bildungsverwaltung hatte in den ersten Entwürfen der Richtlinien für die Lehrerzumessung zunächst noch etwas anderes geschrieben. Dann aber hat man eine andere Formulierung gewählt, so dass theoretisch die Klassen mit 23 Schülern Förderstunden verlieren könnten. Das aber sei nicht vorgesehen, betonte Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung.

Laut Schulleiterangaben müssen Konrektoren an Grundschulen im Gegenzug mindestens sieben Stunden weniger unterrichten, damit sie sich stärker dem Schulmanagement widmen können. Und pro Schule darf ein Grundschullehrer wöchentlich eine Stunde weniger unterrichten, um sich dafür schulplanerisch zu betätigen.