Manche kommen ins Lampion, weil es genau da liegt, wo abends die letzten Sonnenstrahlen hinfallen auf der Knaackstraße. Um die geht es nicht in dem Film. Darin geht es um die, die kommen, "weil sie es geschafft haben, sich 25 Jahre lang nicht aus den Augen zu verlieren", sagt Günter Kotte. Die, die abends in der kleinen Kneipe in Prenzlauer Berg landen, weil einer von den anderen immer da ist. Musiker Klaus Renft, oder Schriftstellerin Katja Müller-Lange, Maler Max Stock oder Opernregisseur Armin Gröpler. Manchmal auch Wolfgang Thierse. Und oft Günter Kotte.Weil der Filmemacher selbst Stammgast ist, hat er mit "Lampion - c est si bon" auch einen Film über sich gemacht. Er teilt mit den anderen Bruchstücke einer Biografie, Bruchstücke, die so wichtig sind, dass sie sich einander nahe fühlen. Sie sind alle nicht mehr ganz jung, und sind, als sie jung waren, in den 70er-Jahren nämlich, nach Ost-Berlin gekommen. Sie lernten sich kennen, am Prenzlauer Berg, weil sie Künstler waren, und dann blieben einige, und andere gingen in den Westen. In den 90ern zogen manche wieder her. Ins Lampion kommen sie alle, seit der Puppenspieler Klaus Breuing vor genau zehn Jahren aus seiner Wohnung und Werkstatt eine Kneipe gemacht hat.Günter Kotte, der 1984 nach Kreuzberg zog, und 1993 zurück- kam, stellt den Menschen, die in seinem 90 Minuten langen Film vorkommen, nicht die Frage, was sie Abend für Abend in die Kneipe zieht. Das ist auch nicht nötig. Es genügt, dass die Kamera zeigt, wie ein zarter Dichter auf der Treppe sitzend versucht, in den Lärm hinein Prosa zu rezitieren, und Wirt Breuing seine Gäste anbrüllt: "Mein Gott, könnt ihr nicht mal euer dummes Maul halten?" Die Menschen im Lampion streiten sich, und dann liegen sie sich wieder in den Armen. Wie sie alle irgendwie angekommen sind, und sich dennoch am Leben reiben, und dass sie genau das verbindet, darum geht der Film. Jeder erzählt über etwas Anderes: Jutta Voigt denkt darüber nach, dass sie wohl deswegen nie aus der DDR weggegangen ist, weil der Berliner "seine Dörfer liebt". Heinz Brinkmann denkt über die Freunde nach, die ihm abhanden gekommen sind. Der Film reiht Gedanken nachdenklicher, manchmal müder Menschen aneinander, deren Fluchtpunkt diese eine kleine altmodische Kneipe ist. Das sei kein Film gegen die Yuppiesierung des Prenzlauer Berg, sagt Günter Kotte. Er gehe auch in andere Lokale rund um den Kollwitzplatz, in den Guglhof zum Beispiel, wo einst auch Clinton aß. Aber der letzte Weg führt immer ins Lampion."Lampion - c est si bon", heute um 21 Uhr in den Village Cinemas in der Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 38. Karten unter 44 35 44 22.BERLINER ZEITUNG/CHRISTIAN SCHULZ Der Regisseur und sein Wirt: Günter Kotte (r. ) ist Stammgast bei Klaus Breuing.