Jack Black zählt zu den wenigen amerikanischen Stars, die sich nicht genieren, Übergröße zu zeigen. Normalerweise gibt es für Männer mit Schwimmreifen nur - meistens komische - Nebenrollen. Der nie ganz erwachsen gewordene Black ("School of Rock"!) aber darf sich immer wieder in Hauptrollen austoben. Aktuell tut er dies in "Gullivers Reisen - Da kommt was Großes auf uns zu" von Rob Letterman. Der deutsche Verleihtitel zielt wohl vor allem auf ein Publikum mit Schrumpfwissen, denn dass es bei einem Helden namens Gulliver um Über- und Untergrößen geht, diesen Sachverhalt konnte man doch bis vor ganz kurzer Zeit noch aus den meisten Lesebiografien irgendwie voraussetzen ...Es handelt sich hier um eine zeitgemäß verpoppte (und mit einigen 3D-Effekten nicht unbedingt spektakulär aufgemöbelte) Fassung der Geschichte von Gulliver, der in der berühmten Romanvorlage von Jonathan Swift zuerst in Liliput auf sehr kleine und dann in Brobdingnag auf sehr große Wesen trifft.Kaum jemand hat dieses Buch jemals in seiner originalen Gestalt gelesen, es kursiert schon in den Kinderzimmern meist in jugendgetreu bearbeiteten Versionen. Aber das, was Joe Stillman und Nicholas Stoller, die beiden mehrfach verdienstvollen Drehbuchautoren (Stoller hat zuletzt "Männertrip" geschrieben), sich hier ausgedacht haben, ist ganz sicher die respektloseste Zurichtung des Klassikers.Der Grundgedanke ist eigentlich ganz einfach: Es gibt auch heute noch ein Reich, in dem die Größenverhältnisse ständig durcheinandergewirbelt werden. Es heißt Hollywood, man erzählt sich von dort sagenhafte Geschichten von Transformern und anderen Superwesen. Man kann also heute nur noch dann von den sagenhaften Ländern Liliput und Brobdingnag erzählen, wenn man dabei an Hollywood denkt.Und so entspinnt sich eine lustige Verwechslungskomödie zwischen alten Motiven und neuesten Trends. Denn Jack Black, der einen Postboten in einem Verlagshaus spielt, wird zwar auf einer Reise ins Bermuda-Dreieck (!) erstmal in der Zeit zurückgeschleudert und findet sich in einer sehr höfischen Umgebung wieder, er wird dadurch aber auf doppelte Weise zum Elefanten im Porzellanladen: Er ist nicht nur viel zu groß, sondern auch viel zu sehr ein Kind der Popkultur.Als Aktualisierung von Jonathan Swift ist das ein ganz gutes Konzept, das Rob Letterman dann auch mit angemessenem Mut zur großen (peinlichen) Geste umsetzt. Weil Jack Black für diesen durchaus klugen Spaß die ideale Besetzung ist, kann man "Gullivers Reisen" auf jeden Fall empfehlen, sofern man die intellektuellen Ansprüche nicht brobdingnagisch überdimensionieren möchte.-----------------------Gullivers Reisen - Da kommt was Großes auf uns zu (Gulliver's Travels). USA 2010. Regie: Rob Letterman, Drehbuch: Joe Stillman, Nicholas Stoller, Kamera: David Tattersall, Darsteller: Jack Black, Jason Segel, Emily Blunt, Amanda Peet u. a.; 87 Minuten. FSK ab 6 Jahre.------------------------------Foto: Da kommt was Großes auf uns zu - und wird sogleich zum Erliegen gebracht: Gulliver (Jack Black) muss seine natürliche Erhabenheit noch beweisen.