SCHÖNEFELD. Einige Wochen hat der Verkehrswissenschaftler Ekkehard Wendler aus Aachen über den Unterlagen gesessen, dann war für ihn klar: Die Bahnanbindung an einen möglichen Flughafen in Sperenberg käme ziemlich genau um zwei Drittel billiger als der jetzt geplante Anschluss für den Ausbau des Flughafens Schönefeld. Statt mindestens 546 Millionen Euro für Schönefeld - auf eine ähnliche Zahl kommen auch die Flughafenplaner - würden für Sperenberg maximal 185 Millionen anfallen, errechnete der Universitätsprofessor. Als Reisezeit vom Lehrter Bahnhof in Berlin müssten 26 Minuten veranschlagt werden, nur sieben Minuten mehr als laut Planung für die Fahrt nach Schönefeld. Das Gutachten gaben Anrainergemeinden Schönefelds in Auftrag. "Wir haben keinerlei Vorgaben gemacht", versichert Herbert Burmeister (PDS), Bürgermeister von Schulzendorf (Dahme-Spreewald) und Vorsitzender einer Schutzgemeinschaft, in der sich die Gemeinden zusammengeschlossen haben. "Das Gutachten darf nicht angreifbar sein." Am Montag reichte der Münchner Anwalt Franz Günter Siebeck, der die Gemeinden vertritt, das Dokument beim Bundesverwaltungsgericht ein, das über das Flughafenprojekt befinden muss. Siebeck verweist auf die Kostendifferenz von 361 Millionen Euro und sagt, damit ließe sich die Straßenanbindung mehr als zwei Mal realisieren. Die Kosten der Verkehrsanbindung und künftige Fahrzeiten könnten vor Gericht eine entscheidende Rolle spielen - sie waren 1996 für Brandenburg und Berlin wichtige Argumente bei der Entscheidung für Schönefeld. Bislang werden für die Bahnanbindung von Sperenberg offiziell Kosten zwischen 383 und 570 Millionen Euro angegeben. Allerdings unterstellten die Schätzungen unter anderem wie in Schönefeld einen unterirdischen Bahnhof. Der sei in Sperenberg aber wegen der dortigen Platzverhältnisse nicht erforderlich, stellt Wendler fest. Der Experte, der lange Zeit als Netzplaner bei der Bahn arbeitete, würde den Sperenberger Flughafen über eine zweigleisige Schleife an die Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin - Halle anbinden. Kritisch sieht Wendler das Schienenverkehrskonzept für Schönefeld. Es bezweifelt, dass das "extreme Überangebot", das "selbst in der Spitzenstunde" nur zu etwa 50 Prozent ausgelastet wäre, tatsächlich umgesetzt wird. Dafür machte er bei Sperenberg einen ökologischen Vorteil aus: Wegen der größeren Stadtferne würden vermutlich deutlich mehr Reisende den öffentlichen Verkehr nutzen als für eine Fahrt nach Schönefeld. Auch wenn nach Sperenberg keine S-Bahn rollt.