Gelungener Start für Frank Plasberg im Ersten: 3,43 Millionen Zuschauer saßen am Mittwochabend vor den Fernsehern, als der Journalist zum ersten Mal im Hauptprogramm der ARD seine Sendung "Hart aber fair" moderierte. Das waren fast zwei Millionen mehr als bei Plasbergs letztem Auftritt vor zwei Wochen im WDR Fernsehen.Seine ARD-Kollegen Beckmann und Maischberger, die montags beziehungsweise dienstags eine eigene Talkshow moderieren, hat Plasberg in dieser Woche damit locker abgehängt. Reinhold Beckmann sahen rund zwei Millionen, Sandra Maischberger knapp 2,3 Millionen Menschen. Allerdings beginnen ihre Sendungen jeweils eine Stunde später als "Hart aber fair", das um 21.45 Uhr startet. Die sonntags ebenfalls ab 21.45 Uhr ausgestrahlte Sendung mit Anne Will erreichte zuletzt 3,87 Millionen Zuschauer.Konkurrent FußballBemerkenswert ist Plasbergs Quote aber auch, weil sich etliche Zuschauer offensichtlich ganz bewusst für den Talk entschieden haben. Die Sendung vor "Hart aber fair", das Psychodrama "Ein spätes Mädchen" mir Fritzi Haberlandt, hatte mit 3,40 Millionen Zusehern jedenfalls schlechtere Quoten. Normalerweise profitieren spätere Sendungen vom sogenannten Audience Flow, davon also, dass Zuschauer ein einmal eingeschaltetes Programm einfach weiter laufen lassen.Die härteste Konkurrenz war für Plasberg an diesem Abend das Champions-League-Spiel Chelsea gegen Schalke, das sich auf Sat.1 mehr als fünf Millionen Menschen anschauten. Daran wird er sich gewöhnen müssen. Der Mittwoch ist traditionellerweise ein Fußballtag.In der Sendung bewies Plasberg, dass er nach sechs Jahren WDR mit "Hart aber fair" zu Recht ins Erste gerückt ist. Schlagfertig und hartnäckig befragte er seine politischen Gäste, Finanzminister Peer Steinbrück und Gregor Gysi von der Linken. Besonders den SPD-Mann Steinbrück quälte Plasberg mit Einspielfilmen, früheren Zitaten und Fotoeinblendungen. Gleich zu Beginn wollte er zu einer Aufnahme von Vizekanzler Müntefering und SPD-Chef Beck wissen, wer denn auf dem Foto fehle, ein Paartherapeut oder ein Blauhelmsoldat. Später hielt er ihm seine Enthaltung bei der Abstimmung über Becks Vorschlag zur Verlängerung des ALG II vor und der SPD ein kalkuliertes Schielen auf Wählerstimmen.Steinbrück versuchte mit einigem rhetorischen Geschick, sich aus der Situation herauszuwinden. Doch Plasberg ließ ihn nicht. Als Steinbrück irgendwann halb resignierend, halb aus Scherz erklärte, er müsse die Sendung wohl verlassen, konterte der Moderator mit dem Ausruf "Wir sind hier nicht bei Kerner" und hatte die Lacher auf seiner Seite.Hinterher war Plasberg mit seiner ersten Sendung in der ARD zufrieden. "Steinbrück war angefasst", sagt er, "aber das war auch Sinn der Sache". Ansonsten fühle er sich "so wie nach jeder ,Hart aber fair'-Sendung - nur das Essen ist besser".Lob gab es von ARD-Programmchef Günter Struve und WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn. Der glaubt allerdings, dass Plasberg noch steigerungsfähig ist. "Das Klavier hat 88 Tasten, heute haben wir nur die Hälfte gehört", sagte er.------------------------------"Steinbrück war angefasst. Aber das war auch Sinn der Sache." Frank Plasberg------------------------------Foto: Links und linker: Peer Steinbrück und Gregor Gysi bei "Hart, aber fair".