Gregor Gysi ist der Star: Wer dies noch nicht ahnte, musste sich am Wochenende auf dem Parteitag der PDS nur die Reden der Landesvorsitzenden Petra Pau, des Fraktionschefs Harald Wolf, der Bundesvorsitzenden Gabriele Zimmer und schließlich von Gysi anhören - in dieser Reihenfolge. Gysi ist ein begnadeter Rhetoriker, er hat ein paar neue Ideen für die Entwicklung der Stadt, und mit ihm hat die PDS alle Chancen, ihren Stimmenanteil bei der Neuwahl zu steigern. Sicherlich, in vielen Fragen wie dem weiteren Personalabbau im öffentlichen Dienst, dem Verzicht auf Einsparungen bei der Bildung und Kultur unterscheiden sich die Parteien - von CDU bis zur PDS - derzeit nicht. Nur die FDP will ein bisschen brutaler und schneller einsparen und privatisieren. Auch kennt Gysi noch nicht alle Details der Landespolitik, fordert auf dem Parteitag schon mal, dass es in Berlin endlich möglich sein müsse, auf einer Meldestelle alle Verwaltungsverfahren erledigen zu können. Dass dies in Berlin schon lange beschlossene Sache ist und die Zahl der Bürgerämter kontinuierlich ausgebaut wird, das hätte Gysi wissen können, sogar wissen müssen. Dennoch: Der PDS-Politiker hat eine gute Idee, wie er die Berliner für sich gewinnen will. Als ein Politiker, der seine Partei sehr wohl im Rücken weiß, der sich nach der Wahl aber als Bürgermeister aller Berliner versteht. Denn eins hat Gysi richtig erkannt: In den vergangenen Jahren haben die Regierenden Bürgermeister und Senatoren bei den meisten Entscheidungen zuerst an ihre eigene Partei, an ihre jeweilige Wählerklientel gedacht. Auch deshalb tat sich die große Koalition so schwer mit den Beschlüssen, deshalb gab es so oft, so lange, so viel Streit im Senat. Deshalb auch entstanden Abhängigkeiten in der Stadt, die jetzt mit "Filz und Sumpf" beschrieben werden. Dieses Denken und Handeln im Senat zu verändern, ist eine wirkliche Aufgabe. Vielleicht die wichtigste.Seite 23