Die Berufung des pensionierten Bundeswehr-Generals Henning von Ondarza durch das polnische Verteidigungsministerium hat unter Warschauer Parlamentariern eine sehr emotionale Debatte ausgelöst. Zwar strebt Polen an der Spitze aller Osteuropäer die Vollmitgliedschaft in der NATO noch bis 1999 an. Daß man sich aber ausgerechnet einen Deutschen als Berater auf diesem Weg ins Haus holte, stößt nicht nur bei den Postkommunisten auf Widerstand. Für sie ist es unerklärlich, daß der Verteidigungsminister Vertrauen zu einem "deutschen Aristokraten und General der Bundeswehr" habe. Ein Belgier, Franzose oder Däne wäre offenkundig auf mehr Gegenliebe gestoßen.Wenn es um die militärische Qualifikation geht, stünde den polnischen Streitkräften allerdings ein rundum geschulter und vor allem international erfahrener Militär zur Seite. Der 1933 in Güstrow geborene Sproß einer Offiziersfamilie mit spanischen Wurzeln hat seit 1956 nahezu alle westlichen Kriegsakademien durchlaufen. Verteidigungsattaché in Washington, Kommandeur der 1. Panzerdivision in Hannover, Befehlshaber der Alliierten Landstreitkräfte Schleswig-Holstein und Jütland (LANDJUT), Heercsinspekteur und schließlich Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte Europa Mitte (AFCENT) waren die wichtigsten Stationen bh zur Pensionierung im März dieses Jahres.Daß er dem polnischen Verteidigungsministerium seine Dienste anbot, kommt nicht überraschend. Nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes hatte er vielfältige Kontakte mit Offizieren in osteuropäischen Staaten und plädierte frühzeitig für praktische Schritte zu deren sicherheitspolitischen Annäherung an die NATO.Bei seinen vielen Reisen begegnete er dabei auch der eigenen Geschichte: Südlich von Poznan befinden sich ein altes Gut der Familie von Ondarza und Graber seiner Verwandten. Von dort aus hatte er auch im Januar 1944 die Flucht Richtung Westen angetreten. Ingo Preißler Henning von Ondarza