Glücklos" nennen wohlmeinende Kritiker den Präsidenten. Andere, etwa die Grünen, sagen: Herwig Haase ist unfähig und als Präsident des Abgeordnetenhauses nicht weiter tragbar. Daß das Parlament diese Meinung mehrheitlich teilt, weiß Haase schon seit dem 29. Mai 1997. Damals forderte ihn eine Mehrheit aus SPD, PDS und Grünen zum Rücktritt auf, doch der CDU-Politiker blieb im Amt. Zu den Wahlen im Oktober tritt Haase jedoch nicht mehr an. Schon als Verkehrssenator gehörte Haase von 1991 bis 1995 zu den bevorzugten Angriffszielen nicht nur der Opposition. Die SPD nannte ihn bereits damals eine "unerträgliche Belastung" für die Große Koalition, weil er Entscheidungen gar nicht, zu spät oder ganz falsch getroffen habe. Dabei ging es keineswegs nur um fehlende Busspuren. Haase, der kein Verkehrspolitiker war, konnte das Beharrungsvermögen seines Westberliner Verwaltungsapparats nicht überwinden, sagen die Kritiker.Nach den Parlamentswahlen 1995 wurde der heute 54jährige Nachfolger von Hanna-Renate Laurien im Amt des Parlamentspräsidenten. Doch die höheren Weihen brachten ihn nicht aus der Schußlinie. Er, der eigentlich ein Vorbild aller Parlamentarier sein sollte, brachte sich durch ungeschickte Auftritte immer wieder ins Gerede. Unerlaubterweise ließ er vor seinem Privathaus bei Lichtenrade Bäume fällen, was ihm ein Bußgeld einbrachte. Engen Mitarbeitern verschaffte er außerplanmäßige Gehaltszuwächse, wobei er einen gegenteilig lautenden Beschluß des Parlamentspräsidiums umging. Haase lud den italienischen Neofaschisten Gianfranco Fini zum Arbeitsbesuch ein, dann lud er ihn wieder aus, als der öffentliche Druck zu groß wurde. Eine Gedenkrede für die Opfer des Nationalsozialismus formulierte der Wirtschaftsfachmann so mißverständlich, daß der Eindruck entstand, Opfer und Täter würden gleichgesetzt. Wütende Proteste waren die Folge, Haase zog einen Absatz der Rede zurück. Die Vorwürfe der Grünen wegen der privaten Nutzung eines Dienstwagens sind nun nur noch eine Randnotiz. Da wird jemand getreten, der schon am Boden liegt. Parlamentspräsident Haase dementiert die Anschuldigungen. Doch selbst wenn er recht behält einen guten Ruf hat er ohnehin nicht mehr zu verteidigen.