Michael Kutzop kann einem schon ein bisschen Leid tun. Er hat sich so viele Verdienste erworben um seinen einstigen Arbeitgeber Werder Bremen - zuvorderst den, mit unverschämter Zuverlässigkeit Elfmeter zu verwandeln. Und was ist der Dank? Die Bremer verleugnen ihn. Sie tun so, als habe es Kutzop nie gegeben - spätestens seit diesem Sonntag, um 19:18 Uhr. Aber muss man das verstehen: Kutzop hat dem Klub ein Trauma beschert. Ausgerechnet er hat im Frühjahr 1986 einen Strafstoß am Pfosten des FC Bayern München platziert; den Meister-Sekt, in Bremen schon bestellt, genossen am Ende die Münchner.Ein Hauch von Kutzop weht wieder über die Weser, seit die Bremer daheim gegen zehn auswärts schwache Freiburger nur ein 1:1 erkickten und der Elf-Punkte-Vorsprung auf die Bayern in einer Woche auf sieben geschrumpft ist. Jetzt fragt natürlich jeder: Na? Nervös? Die Bremer aber schweigen, sie wollen nichts wissen von damals. Sie rätseln ja selbst, wie die Mini-Krise sie anfallen konnte.Als Trost mag ihnen dienen, dass das Phänomen des schwächelnden Spitzenreiters ein internationales ist. Quer durch Europa sind den Tabellenführern pünktlich zum Frühjahrsbeginn die Beine schwer geworden. In Italien reihte der AC Mailand zwei mickrige Unentschieden aneinander, was sicherlich auch damit zusammenhing, dass Klubpräsident Silvio Berlusconi sein Fußballwissen mit seiner Liebe zur Demokratie gemixt hat: Er befahl, Milan müsse fortan mit zwei Stürmern spielen, auch wenn die Taktik mit nur einem Angreifer erfolgreicher war. In England ist der Ligaprimus Arsenal London im nationalen Pokal an Manchester United gescheitert und kämpft nun mit seinem alten Trauma: alles gewinnen zu können - und alles zu verlieren. Nach diesem Dienstag, nach dem Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Chelsea, könnte sich das Drama verschärfen.Wie unsolidarisch klingt es da, dass Spaniens Nummer eins, Real Madrid, in Albacete glücklich 2:1 gewann. Aber so mögen sie es ja am liebsten, die Königlichen: wenn alle zu ihnen aufschauen, voller Neid.