Die Berichte über die verheerenden Auswirkungen des Taifuns Haiyan sind vielfach vom Unbehagen der Autoren begleitet, aus den erschreckenden Szenen umgehend politische Schlüsse zu ziehen. „Die Bilder von den Philippinen mahnen zur Demut“, schreibt André Schweins in der Westfalenpost. „Eine unabdingbare Folge: die Intensivierung der Klimawandel-Diskussion. Letztlich steht Taifun Haiyan allerdings in einer Reihe mit Katastrophen ähnlicher Wucht, die zum Teil schon ein halbes Jahrhundert oder länger zurückliegen. Mit dem Unterschied, dass diesmal die Zahl der Opfer in beispiellose Höhen geht. Nach der Zerstörung geht es für die betroffene Region und die Welt-Staatengemeinschaft um eine Schaffung effizienterer Prävention, die als Blaupause über die Alarmierung weit hinausgehen muss.“

Natürlich schauen alle auf den Klimagipfel von Warschau, für den der Taifun wie ein böses Menetekel daherkam. Auf Stern.de ist man jedoch skeptisch. „Es bleibt dennoch abzuwarten, ob eine zeitlich so nahe Katastrophe die Delegierten der Klimakonferenz stärker beeindrucken kann als frühere Unwetter und ihre Folgen. Experten sahen vor Haiyan wenig Anzeichen, dass die Warschauer Klimakonferenz einen Durchbruch bringen könnte – nicht zuletzt, weil auch die Gastgeber im Kampf gegen den Klimawandel ein Hindernis für die eigene Wirtschaft sehen.“

Jasper von Altenbockum hält in der FAZ herzlich wenig von leichtfertigen Verknüpfungen von akuten Katastrophen mit klimapolitischen Forderungen. „Politik sollte nicht mit Ängsten spielen, schon gar nicht mit Katastrophen. Es ist deshalb unvorsichtig und unangebracht, den Taifun Haiyan dazu zu missbrauchen, der UN-Klimakonferenz in Warschau vorzuwerfen, zu wenig gegen den Klimawandel zu tun. Den Opfern in den Katastrophengebieten muss schnelle und großangelegte Hilfe zuteilwerden; die wird und sollte nicht aus Warschau kommen. In Warschau steht vielleicht wieder einmal eine der vielen Mammutveranstaltungen zur Klimapolitik bevor, die nicht viel mehr zuwege bringen als solche zweifelhaften ‚dramatischen Appelle‘.“

Der Autor wittert ideologische Untiefen, die das Thema schon seit langem begleiten. „Doch die Bemühungen um eine Eindämmung der Erderwärmung werden auch deshalb in immer neue Niederlagen getrieben, weil sich ihre Protagonisten in apokalyptische Reiter verwandelt haben. Zu den dürftigen Ergebnissen solcher Konferenzen kommt dann die Abstumpfung und der Widerwille gegen unseriöse, im Falle von Haiyan muss man sagen: geschmacklose Effekthascherei.

Ehrlich und verantwortungsvoll wäre es, wenn gerade jetzt und gerade in Warschau darauf hingewiesen würde, dass es einen simplen Zusammenhang zwischen ‚Monsterstürmen‘ und dem Klimawandel nicht gibt; dass auch die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass deren Zahl zunehmen wird. (...) Dass die Menschheit als der Schuldige für Naturkatastrophen gebrandmarkt werden kann, ist die größte Verwirrung, die eine ideologisch aufgeladene, Ursache und Wirkung willkürlich verknüpfende Energie- und Klimapolitik bislang angerichtet hat.“