THOMAS KLEIN über Superkräfte, Hongkong und "Push"Wenn es zehn Gebote für den phantastischen Film gibt, lautet das erste "Du sollst nicht mehr erklären als absolut notwendig". Schwafelei ist eine Todsünde im Science-Fiction-Kino, dafür gibt es auch ein Beispiel: In "Krieg der Sterne" (1977) wird die "Macht" eingeführt, eine ominös-mystische Fähigkeit, Dinge schweben und Dummköpfe folgsam werden zu lassen. Toll! In "Star Wars - Episode 1" (1999) lässt George Lucas die "Macht" dann ausladend definieren: Verantwortlich für die Superkräfte sind plötzlich Körperchen im Blutbild, sogenannte Midi-Chlorianer. Adieu, spirituelle Energie. Hallo, Vorsorgeuntersuchung.Wer flott erzählt, kommt besser weg. Der schottische Regisseur Paul McGuigan hat das längst verstanden. Seine populäreren Filme ("Acid House", 1998; "Gangster Nr. 1", 2000; "Lucky # Slevin", 2006) haben auf Grübeleien verzichtet, im Unterhaltungskino muss das kein Fehler sein. Und tatsächlich funktioniert bei seinem B-Movie "Push" all das, was man im überteuerten, glanzpolierten Blockbuster-Mainstream nicht mehr sehen kann. Spielort des Films ist Hongkong: Dahin hat es einige besonders begabte junge Leute verschlagen. Wer Kräfte hat wie Nick (Chris Evans), der mittels Gedanken Dinge bewegen kann, oder Cassie (Dakota Fanning), die in die Zukunft schaut, kommt in der Metropole zwischen glänzenden Wolkenkratzern und schmuddeligen Seitenstraßen gut unter. In Amerika oder Europa will man sich jedenfalls nicht mehr blicken lassen, da jagt einen die sinistre "Division"-Organisation. Doch auch Hongkong ist nicht mehr sicher, es tauchen unangenehme "Division"-Funktionäre auf - offenbar gibt es in der lokalen Unterwelt einen Koffer, an dessen Inhalt alle brennend interessiert sind. Die Jagd beginnt. Cassie sieht schon ein schlimmes, blutiges Ende.Mit imposanter Spielfreude breitet McGuigan seine Geschichte aus, wichtiger als das Was ist ihm das Wie. Ohne viele Computereffekte, mit toller Stunt-Arbeit und Pyrotechnik, eindrucksvoll fotografiert (Kamera: Peter Sova) und mit hübschem Ensemble ist "Push" ein kleiner, kantiger Genre-Film mit gelegentlich erfreulich garstigem Unterton. Vor allem aber ist es einer ohne viel Gerede."Push" erschienen bei Universum Film, ca. 14 Euro.