BERLIN. Der deutsche Einzelhandel wird seinen Ankündigungen nicht gerecht, gegen die Überfischung der Weltmeere vorzugehen. Das zeigt eine Erhebung der Grünen, die der Berliner Zeitung vorliegt. Seit 1999 können sich Fischerei-Unternehmen und Hersteller vom unabhängigen Marine Stewardship Council (MSC) zertifizieren lassen. Dafür müssen sie nachweisen, dass sie Bestände nicht ausrotten oder Meere schädigen.Auch die deutschen Handelsketten wollen auf MSC-Fisch umstellen. So werben Rewe und Lidl mit "MSC-zertifizierten Eigenmarkenprodukten", Netto und Edeka wollen ab 2012 sogar nur noch nachhaltigen Fisch anbieten. Doch davon sind sie weit entfernt, zeigt jetzt die grüne Bundestagsfraktion durch Stichproben in Berlin und Potsdam: Nur 44 Prozent aller Produkte tragen das Siegel, bei manchen Ketten sind es weniger als ein Drittel. In 106 getesteten Filialen waren nur 246 von 609 Dosen- und nur 164 von 390 Tiefkühl-Artikeln aus nachhaltigem Fang. In der Edeka-Stichprobe lag der MSC-Anteil bei lediglich 46 Prozent. Besonders schlecht schnitten teurere Ketten ab: Karstadt bietet nur zu 24 Prozent MSC-Fisch an, Kaiser's zu 30 Prozent, Rewe 37 Prozent. Die Discounter liegen besser: Der Fisch bei Lidl war bis zu 71 Prozent umweltgerecht gefangen, bei Aldi bis zu 60 Prozent."Die Ketten versprechen seit Jahren, ihr Angebot an zertifizierten Fisch zu erhöhen", kritisiert Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn. Sie müssten sich stärker anstrengen. "Gerade Marken, die sich mit nachhaltigen Werbesprüchen schmücken, werden dem nicht gerecht."