TREVISO, 4. Oktober. Vorigen Mittwoch sind sie wieder da gewesen. Nach dem Besuch in einer Berliner Pizzeria saß Hanka Kupfernagel in der Wohnung einer Freundin im vertrauten Kreis, als die Klingel ging die Doping-Kontrolleure vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) baten zur Blutabnahme. "Keine Ahnung, woher die wussten, wo wir waren", rätselt Torsten Kupfernagel-Wittig noch Tage später über die detektivische Glanzleistung der Offiziellen. Fragen nach Doping beantwortet der Ehemann und Trainer der mit Abstand erfolgreichsten deutschen Radfahrerin ohne Verdruss. "Dieses Jahr sind wir 33-mal kontrolliert worden", sagt er, "das ist uns egal." Mit Medikamenten kenne er sich ohnehin nicht aus. "Wir wollen ja irgendwann einmal Kinder haben, da will man doch gesund bleiben. Wir haben sowieso nie einen Arzt dabei, ganz selten einen Masseur. Denn wenn wir krank sind, dann fahren wir keine Rennen."Im Schatten von Jan UllrichWir. Wittig spricht meist im Plural, wenn es um Hanka Kupfernagel geht. Oder in der ersten Person. "Ich gucke sowieso nicht aufs Geld, sondern nur auf das Sportliche", kommentiert er etwa den medialen Schatten von Jan Ullrich, in dem Ausnahmesportlerin Kupfernagel auch bei der Straßenrad-WM in Italien, die am Montag begann, zu verschwinden droht. Seit 1997 führt seine Ehefrau die Weltrangliste an, an die vierzig Rundfahrten hat die frühere Junioren-Weltmeisterin gewonnen. "Doch det interessiert wohl keene Sau", berlinert Torsten Wittig unfein.Die Kupfernagels ecken oft an. Seit gut sechs Jahren pflegen sie ein distanziertes Verhältnis zum Verband. Individuelles Training, nur keine gemeinsame Sache mit dem Nationalteam, dies machte aus der 25-Jährigen lange eine geächtete Einzelgängerin. Das Verhältnis hat sich entspannt, doch beim Straßenrennen der WM am Samstag in Verona fährt sie ihr eigenes Rennen. Eine gegen alle."Die anderen Deutschen haben doch nicht das Niveau, wenn es da richtig zur Sache geht", spricht Wittig. Das klingt hart angesichts einer Judith Arndt (Frankfurt/Oder) oder Petra Roßner (Leipzig). Hanka Kupfernagel spricht nicht schlecht über ihre Kolleginnen. Die Beziehung sei gut, doch sie wolle Solistin bleiben.Trotz des Stillhalteabkommens, dies gilt als sicher, ist den Herren beim Verband das Gefühl der Schadenfreude nicht fremd, wenn es für die Eigenwilligen einmal nicht läuft. So wie zuletzt beim Weltcupfinale in Embrach, wo Anna Wilson (Australien) Kupfernagel den sicher geglaubten Gesamtsieg entriss. "Da ist sie jeder Ausreißerin hinterher, statt Wilson zu kontrollieren", sagt Bundestrainer Jochen Dornbusch: "Der Kupfernagel behauptet gerne, dass sie die einzigen deutschen Profis seien. Und ich behaupte, dass da diese beiden Profis sehr dumm waren."Eigener ProfirennstallDie Kupfernagels wähnen sich derweil auf dem richtigen Weg. In ihrem eigenen Profirennstall "Greenery Hawk Team" sind vier Russinnen, eine Dänin, Schwedin und Finnin angestellt. Wittig hat sie in günstigen Appartements in einem ehemaligen Altersheim in Charlottenburg untergebracht. Rund 200 000 Mark betrage das Budget, gibt Wittig an. Allein, die Zahlungsmoral der Partner sei miserabel. "So geht es nicht weiter, ich bin auf Sponsorensuche."Ein gutes Argument bei der Akquisition wäre der erste Weltmeistertitel. Entweder jetzt in Italien oder im Winter bei der Querfeldein-WM, der ersten für Frauen. Dann werde auch die latente Kritik an den Eigenbrötlern verstummen, glauben beide. Wittig: "Wenn wir Weltmeister werden, dann wird vieles leichter für uns." Gelegenheit dazu bietet sich an diesem Dienstag, beim Einzelzeitfahren über 26 km. Kupfernagel gewann 1998 wie auf der Straße Bronze und gilt als Mitfavoritin. Zweite Starterin für den BDR ist Judith Arndt, die Deutsche Meisterin. Beim Straßenrennen führen die BDR-Damen "gegen Hanka", orakelt Wittig. "Wenn Hanka ausreißt, gehen wir natürlich nicht hinterher", widerspricht Jochen Dornbusch. Während sein Nationalkader am Gardasee Quartier bezogen hat, wohnen die Kupfernagels in Treviso bei Freunden. Die Kommissärs werden die Adresse kennen.STRASSENRAD - WM Acht Mal über Italiens Straßen // Dienstag, 5. Otkober: Einzelzeitfahren der Junioren (11 Uhr) Einzelzeitfahren der Elite-Frauen (14 Uhr) Mittwoch, 6. Otkober: Einzelzeitfahren der Elite-Männer (14 Uhr) Donnerstag, 7. Oktober: Ruhetag Freitag, 8. Oktober: Straßenrennen der Juniorinnen (9 Uhr) Straßenrennen der Männer "Unter 23 Jahre" (12 Uhr) Sonnabend: 9. Otkober: Straßenrennen Junioren (9 Uhr) Straßenrennen der Elite-Frauen (14 Uhr) Sonntag: 10. Oktober: Straßenrennen der Elite-Männer (10 Uhr)