SPANDAU. Wenn Helmut Kißner die Ruhe sucht, geht er in die Kirche. Er nimmt seinen Schlüsselbund und schließt die große Holztür auf, setzt sich auf eine Bank und genießt die Stille. Einen Lieblingsplatz hat er nicht. Jede Ecke hat ihren Reiz, sagt Kißner. Er muss es wissen, schließlich ist es seine Kirche. Seit zwei Jahren gehört das Gotteshaus am Behnitz Helmut Kißner und seiner Frau Hannelore. Die beiden Britzer ließen den Sakralbau sanieren und neu weihen. Wie viel Geld sie investierten, sagen sie nicht. Aber sie haben ein Schmuckstück daraus gemacht. Jetzt werden sie dafür ausgezeichnet. Am 29. November bekommen die Eheleute in Saarbrücken den Deutschen Preis für Denkmalschutz. Die silberne Halbkugel ist eine der höchsten Auszeichnungen. "Wir würdigen damit das einzigartige Mäzenatentum der Familie Kißner", sagt Juliane Kirschbaum, die Geschäftsführerin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz. Dass das Paar eine Kirche gekauft, saniert und zu einem Kulturzentrum gemacht hat, begeisterte die Jury.Die katholische Kirche hatte das Gebäude wegen ihrer schlechten finanziellen Lage verkauft. Eigentlich wollte die rumänisch-orthodoxe Kirche das Haus haben. Doch dann wäre es für die Gemeinde St. Maria verloren gewesen. Kißners Finanzberater, selbst Gemeindemitglied, hatte dem Ehepaar vom Schicksal der Kirche erzählt. Also legten die Kißners ihr Geld dort an. Die Kirche war ziemlich heruntergekommen. Das Dach kaputt, die Wände nass, der prächtige Sternenhimmel im Gewölbe unter einem Anstrich verborgen. Von dem Altar gab es nur Schwarz-Weiß-Fotos. Ein Jahr lang arbeiteten Restaurateure. Hannelore und Helmut Kißner sind bescheidene Leute. Kinder haben sie keine und damit auch niemanden, der ihr Vermögen erben könnte. So haben sie der Kirche versprochen, dass das Haus nach ihrem Ableben wieder der Gemeinde zufällt. Nutzen darf sie es aber schon jetzt. Pfarrer Matthias Mücke ist froh, dass alles so gekommen ist. Zwei bis drei Gottesdienste pro Woche hält er in der Kirche ab. Und während die Bänke in anderen Kirchen oft spärlich besetzt sind, predigt Mücke am Behnitz schon mal vor bis zu 180 Menschen. "Die kommen teilweise aus anderen Gemeinden", sagt er. "Die sanierte Kirche hat einen regelrechten Fanclub." Doch Kißners Kirche ist nicht nur ein Gotteshaus. Vor dem goldenen Altar finden auch Lesungen und Konzerte statt. Ben Becker war schon da, Katja Ebstein und der Pianist Gottfried Böttger auch. Demnächst kommen Friedrich Schorlemmer und Helen Schneider. Alle Künstler sind handverlesen. Kißners gönnen sich den Luxus, sie zu engagieren. Am meisten freut sich Helmut Kißner auf Roberto Blanco. Der ist für Oktober kommenden Jahres gebucht. Was er mit seiner Band präsentieren wird, ist noch unklar. Hauptsache, er kommt. "Ich mag seine Volkstümlichkeit."Vor der bevorstehenden Preisverleihung sind die beiden etwas nervös. "Das ist sehr aufregend", sagt Helmut Kißner. Es wird nicht ihr letzter Preis sein. Die katholische Kirche würdigt das Ehepaar Anfang nächsten Jahres mit der Hedwigmedaille - der höchsten Auszeichnung im Erzbistum Berlin. ------------------------------Seit 2002 privat // St. Marien am Behnitz 7 ist nach der Hedwigs-Kathedrale in Mitte die zweitälteste katholische Kirche im Stadtgebiet. Sie wurde am 21. Juni 1848 nach den Plänen von August Soller eröffnet. 1910 wurde die Kirche Militärkapelle. Der Bund verkaufte das Gebäude 1995 an das Erzbistum. Seit 2002 ist sie in Privatbesitz.Erstmals seit Bestehen der Kirche gibt es ein Kirchweihfest. Es findet am 20. November ab 17 Uhr statt. Außerdem werden sich die Kißners ins Goldene Buch des Bezirkes Spandau eintragen.Seit 1978 wird der Deutsche Preis für Denkmalschutz verliehen in den Sparten Karl-Friedrich-Schinkel-Ring, Silberne Halbkugel und Journalistenpreis. Ausgelobt wird er vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz, das der Bundesregierung untersteht.------------------------------"Die Kißners machten die Kirche zum lebendigen Kulturzentrum." J. Kirschbaum, Nationalkomitee------------------------------Foto: Hannelore und Helmut Kißner vor dem prächtigen Altar in ihrer Kirche. Nicht nur Gottesdienste finden dort statt, auch Kulturveranstaltungen.