Hans Altendorf ist ein verschwiegener Mann. Wenn man ihn mittags in einer der Stasi-Unterlagenbehörde benachbarten Kantine trifft, dann lächelt der Behörden-Direktor meist vieldeutig. Indiskretionen sind seine Sache nicht, Hausmannskost schon eher – und dazu eine gute Zeitung. Die Ausflüge in die Kantine nähern sich freilich ihrem Ende. Denn Altendorf hört im Mai 2014 auf. Und nach einem Nachfolger wird schon gesucht. Die Entscheidung fällt Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) im Benehmen mit Behörden-Chef Roland Jahn. Die Bewerbungsfrist ist am 11. Oktober abgelaufen.

Möglicherweise erfolgte die frühe Ausschreibung, um die Personalie noch vor Bildung einer neuen Bundesregierung abzuräumen. Sicher ist, dass der Altendorf-Nachfolger für die Behörde enorme Bedeutung hat, weil Jahn Verwaltungserfahrung fehlt. Sicher ist auch, dass er vermintes Gelände betritt. Insider sagen: „Das Klima in der Behörde ist schrecklich.“

Jahn, so heißt es, habe seine rechte Hand anfangs eher links liegen lassen. Altendorf war nämlich früher in linken westdeutschen Gruppen aktiv, die offen mit der DDR sympathisierten, während sein Vorgesetzter in Jena gegen das SED-Regime rebellierte. Die Kritiker des Behörden-Leiters beklagen zudem, von Bürokraten halte er nicht viel.

Zuletzt hat Jahn allerdings dem Vernehmen nach mehr und mehr Altendorfs Nähe gesucht – wohl nicht zuletzt, weil es in der Behörde nicht rund lief. So stockt die von Jahn betriebene Versetzung einstiger Stasi-Mitarbeiter aus der Behörde in das Bundesverwaltungsamt, weil der Personalrat blockiert. Ohnehin gilt Jahns Leitungskompetenz als begrenzt – wobei die 1600-köpfige Behörde seit jeher zerklüftet ist.

Was wird aus der Behörde?

Die Frau oder der Mann nach Altendorf hat sich auf eine ungewisse Zukunft einzustellen. Jahn ist bis 2016 gewählt. Ob er abermals gewählt wird, ist offen. Was aus der Behörde wird, entscheidet aller Voraussicht nach die künftige Koalition. Zwar weist die Behörde ihre Leistungsfähigkeit immer mal wieder nach, etwa indem sie einstige Inoffizielle Mitarbeiter enttarnt oder zeitgeschichtliche Hintergründe erleuchtet. Tatsächlich lässt das öffentliche Interesse an Stasi-Themen aber ebenso spürbar nach wie die Anträge auf Akteneinsicht.

Letztere schwanden zuletzt um über 25 Prozent, zugleich stieg die Bearbeitungszeit wegen des Personalabbaus. Die Stasi-Unterlagenbehörde über das Jahr 2019 hinaus zu erhalten und die Überführung der Akten ins Bundesarchiv zu verhindern, dürfte schwierig werden.