POTSDAM. Der hochrangigste Manager der Deutschen Bahn (DB) im Land Brandenburg wechselt zur Konkurrenz. Hans Leister, Beauftragter der DB-Konzernleitung sowie Regionalbereichsleiter für Berlin und Brandenburg, wird Anfang Januar 2001 Geschäftsführer bei Connex. Das Tochterunternehmen des französischen Konzerns Vivendi gilt als mächtigster Rivale der DB auf dem Nahverkehrsmarkt. Dem Vernehmen nach wird Hans Leister von Potsdam aus die Deutschland-Aktivitäten von Connex steuern. Bei der DB schlug die Nachricht "wie eine Bombe ein", hieß es dort. "Das ist schon ein schwerer Schlag." Selbst DB-Chef Hartmut Mehdorn, der sich am Montag mit Leister traf, konnte ihn nicht mehr umstimmen. Fachleute erwarten, dass sich Connex mit Leister in der Chefetage nun verstärkt darum bemühen wird, in Berlin und Brandenburg weiter Fuß zu fassen. In den kommenden Jahren müssen zahlreiche Regionalbahn- und Buslinien ausgeschrieben werden. Dabei gilt Connex, nach eigenen Angaben das größte private Nahverkehrsunternehmen in Europa, als kostengünstiger und aussichtsreicher Bewerber. "Wir müssen uns auf Konkurrenz einrichten", hieß es bei der DB. "Mehr Verkehr auf die Schiene" Leister könnten seine guten Kontakte zur Potsdamer Landesregierung, die für die Gestaltung des Regionalverkehrs und damit auch für die Ausschreibungen zuständig ist, zupass kommen. Bevor der heute 48-jährige Münchener 1994 zur DB wechselte, war er im Finanzministerium tätig und leitete bei der Landesentwicklungsgesellschaft die Projektgruppe zur Bahn. "Ich möchte mich auch künftig dafür einsetzen, dass mehr Verkehr auf die Schiene kommt", sagte Leister der "Berliner Zeitung". Für den DB-Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg hat er große Erfolge erzielt. Seit 1994 hat sich die Zahl der täglichen Fahrgäste mehr als verdoppelt - von 61 000 auf 124 000. Zwar wurde unter Leister auf 456 Kilometern der Personenverkehr eingestellt. Dafür genießen die Reisenden auf den verbliebenen Linien einen nicht selbstverständlichen Komfort: fabrikneue oder modernisierte Wagen, meist Stundentakt. Die Firma Connex, die unter anderem die Metro Stockholm und Londoner Vorortzüge betreibt, ist in Deutschland auf 19 Strecken tätig. So ist das Unternehmen, das weltweit 35 500 Mitarbeiter hat und 1999 rund fünf Milliarden Mark umsetzte, an der Industriebahn-Gesellschaft Berlin beteiligt, die fast 67 Prozent der Anteile bei der Niederbarnimer Eisenbahn AG hält - der Eigentümerin der "Heidekrautbahn" nordöstlich Berlins. Die NEB hat bereits signalisiert, dass sie den Regionalverkehr rund um Templin sowie die Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn übernehmen will.