Haptik als Chance: Dass „e-books keine zu vernachlässigende Größe mehr“ sind, erkennt man auf der Messe an vielen winzigen Buden – die brauchen nur einen Computer, keine Buchregale –, bei denen man Schnellkurse in Selfpublishing machen und in sechs Schritten zum elektronischen Bestsellerautor werden kann. Von 11,6 Prozent im Jahr 2011 soll der Anteil des e-book-Umsatzes in Deutschland auf 17 Prozent im Jahr 2015 steigen, sagte Bernd Neumann. Der Bundeskulturminister sprach bei der Verleihung des Kurt-Wolff-Preises im „Berliner Zimmer“, das von den oft winzigen Ständen der unabhängigen Verlage umlagert ist. Und weil das schönste Buch mit Kopfschnitt und Fadenheftung nichts hilft, wenn es keiner kauft, hat der Kleinverleger Weidle als Vorsitzender der preisverleihenden Gesellschaft eine Initiative gestartet, die eine staatlich Unterstützung der „inhabergeführten“ Buchläden fordert. Nach dem Vorbild der Programmkinoförderung soll ein Prämiensystem die Vielfalt einer „Kultur gegen den Mainstream“ erhalten und damit den Indie-Verlegern zugute kommen, die ihre Bücher meist gar nicht in den Buchladenketten platziert können. Neumann sagt, er nehme den Vorschlag „sehr ernst“, gibt aber vorsichtshalber schon mal europarechtliche Fragen (Wettbewerbsverzerrung und so) zu bedenken.
Bei einer Diskussion über die „Zukunft des Lesens“ äußerte sich der amerikanische Autor und Verleger Dave Eggers optimistisch, dass das Buch als „physisches Objekt“ bleiben wird. Vielleicht nicht für Ratgeber oder Reiseführer, die man im Netz eh besser aktualisieren kann, räumt der Verleger Jo Lendle ein, der demnächst Michael Krüger beim Hanser Verlag ablösen wird. Die Buchgestalterin und Autorin Judith Schalansky outete sich zwar als „Typografie-Diktator“, ist dem elektronischen Buch aber nicht abgeneigt. Verbesserungen müssten indes in der Kommunikationsfähigkeit der Geräte erfolgen, ergänzte die Vernetzungsprofessionelle Kathrin Passig. Und außerdem kämen bei der rapiden Erneuerung der Reader die digitalen Formate der e-books bald nicht mehr mit. Das bedeutet, dass ein e-book unlesbar wird! Und damit sind wir wieder beim seit Jahrhunderten unverbesserbaren Ding. „Haptik als Chance?“ fragte der Börsenverein in einer seiner Veranstaltungen zur Berufsausbildung. Die Zahl der Ausbildungsplätze im Buchhandel ist im letzten Jahr übrigen um ein Drittel geschrumpft. Für seine neue Kampagne „Vorsicht! Buch“ mit grauenvoll anbiedernden Plakatmotiven und dümmlichen Slogans gilt leider, dass die sogar im Netz noch oberpeinlich wäre.