Es ist eine der wichtigsten Positionen des Weltsports, die an diesem Sonnabend neu besetzt werden soll. Gesucht wird ein Präsident der Weltantidopingagentur (Wada). Ob er gefunden wird, ist offen. Zwar gibt es nur einen offiziellen Kandidaten, den früheren australischen Finanzminister John Fahey, 62. Doch am Ende könnte auch jemand das Rennen machen, dessen Name noch gar nicht auf der Wahlliste steht. Für das unwürdige Geschacher auf der Dopingweltkonferenz in Madrid sind ausnahmsweise nicht Sportfunktionäre verantwortlich. Hier blamieren sich die Politiker, vor allem: die Europäer, darunter Christoph Bergner, Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Mitglied im Wada-Stiftungsrat.In Kurzfassung geht die Geschichte so: Im Wada-Stiftungsrat sitzen je 18 Politiker und 18 Vertreter des Weltsports. Sport und Politik finanzieren je zur Hälfte die Wada, und es ist lange ausgemacht, dass dem scheidenden Präsidenten Richard Pound ein Vertreter der Politik-Fraktion folgen wird. Europas Sportminister hatten sich 2006 auf den Franzosen Jean-François Lamour festgelegt. Überraschend kandidierte im September 2007 aber John Fahey, weshalb Lamour beleidigt zurücktrat. Seither mühen sich die Europäer vergeblich, Fahey, dem sie die Kompetenz absprechen, zum Verzicht zu bewegen und die Wahl zu vertagen.Am Freitag gewannen sie den früheren französischen Sportminister Guy Drut, wegen Korruption verurteilt und später amnestiert, als Ersatzkandidaten. Eine schräge Idee, denn unter Drut, der dem IOC angehört, hatte sich in den 90er-Jahren in Frankreich ein Dopingsystem etabliert, das seine Nachfolgerin zerschlagen musste.Die Sportvertreter werden sich am Sonnabend der Stimme enthalten. Europa hat nur fünf der restlichen 18 Stimmen. Und die meisten Nicht-Europäer sind angewidert vom Vorgehen der Kollegen. In Faheys Heimat Australien titelten die Zeitungen schon vor einem Monat, er sei neuer Wada-Präsident. Nun schimpft der Sydney Morning Herald über die "spanische Inquisition" in Gestalt der europäischen Politiker, die Fahey verleumden, attackieren und vernehmen. Doch Fahey bleibt gelassen. Er ist hart im Nehmen. Er hat in seinem Leben schon ganz andere Schicksalsschläge überwunden.Vor sechs Jahren musste der Kettenraucher als Finanzminister zurücktreten. Diagnose: Lungenkrebs. Fahey überlebte, verlor aber einen Lungenflügel. 2006 starb seine Tochter Tiffany zu Weihnachten bei einem Verkehrsunfall. Vor 13 Jahren hat sich Fahey todesmutig auf einen Attentäter gestürzt, der in Sydneys Darling Harbour den britischen Thronfolger Prinz Charles erschießen wollte. Wer solche Situationen meistert, wird sich von politischen Attacken kaum irritieren lassen. "Ich habe mich einem demokratischen Prozess gestellt", sagt Fahey und sieht keinen Grund, dem Druck zu weichen.Sport Seite 18------------------------------Foto: John Fahey will Präsident der Weltantidoping-agentur werden.

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