Noch ist im romantischen Friedrichshagener Haus am Myliusgarten die Erinnerung wach an die Bilder der einstigen Nestorin Berliner Grafik und Zeichenkunst, Charlotte E. Pauly. Nun, in diesem frühen Herbst, setzt das Kulturamt Köpenick seine nachhaltige Ausstellungsreihe über wichtige Künstler aus dem Stadtgebiet fort.5 000 Blätter im Nachlaß Jetzt füllen die eigenwilligen Arbeiten der 1992 verstorbenen, damals erst 56jährigen Malerin Ingrid Goltzsche-Schwarz die Galerie. Eigentlich kam sie, die Lebensgefährtin des Berliner Malers und Zeichners Dieter Goltzsche, aus der Welt der Bücher; sie war Buchhändlerin, hatte ein Bibliothek geleitet. Erst spät, dafür aber radikal, entschied sie sich für die Kunst, wie man in Friedrichshagen sehen kann: Sie hinterließ etwa 5 000 Arbeiten, die nicht nur beachtliche zeichnerische und druckgraphische Virtuosität belegen, sondern auch kennerisch aufgearbeitet sein wollen. Diese Ausstellung ist ein erster Schritt.In den letzten zehn Jahren ihres Lebens kam Ingrid Goltzsche-Schwarz zu immer reduzierteren Formen. Daß Kunst mit Substanz gerade durch Reduktion entsteht, hatte sie nicht zuletzt bei ihrer alten Freundin und graphischen Lehrerin Charlotte E. Pauly erfahren.Die Technik der Algraphie (Aluminiumdruck) war ihr eine besonders geeignete Technik, ideal für das Leichte, Melodische, Impressive in den Landschaften oder Porträts. Wenn die Künstlerin die Blätter dann noch mit Aquarellfarben colorierte, bekamen diese eine schöne Transparenz. Die Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphiken geben Auskunft über den leichten Wechsel von natürlicher Anschauung und Intuition, Realität und Träumerei.Oft sind die Motive von einem geradezu naiven Empfinden geprägt. Niedergeschrieben wurden sie dennoch in einer eher herben Bildsprache.Es ist, als habe die Malerin in ihren Farblinolschnitten, etwa vom Potsdamer Stadtschloß, die in grünblaues Licht getauchten Watteauschen Parkszenen heraufbeschworen, und als würden die klassizistischen Skulpturen auf ihren Sockeln gleich zu leben beginnen, wie jene idealisierte Figur des Bildhauers Pygmalion.Heiter und mythisch Mythologische Ansätze finden sich immer wieder in den Arbeiten von Ingrid Goltzsche-Schwarz. Dabei begleitete ihre Suche nach Arkadien trotz Melancholie immer ein verspielter, heiterer Sinn. Von anderen Bildern möchte man glauben, ihre Malerin habe dafür Manets Frühstück im Freien belauscht oder sich an Matisses farbüppigen Stillleben und Szenen berauscht.Stille Akte am Meer sprechen von zeitloser Schönheit, Pferdemotive werden zum Symbol für Freiheit, aber auch für die Chance eines harmonischen Verhältnisses von Mensch und Natur. So war die Malerin auf der Suche nach einer schönen, friedlichen Welt, die zumindest in ihren phantasievollen Bildern existierte.