BERLIN. Auseinandersetzungen in der Gesundheitspolitik werden selten nüchtern und sachlich geführt. Schnell arten Debatten zu regelrechten Schlammschlachten aus, bei denen sich gern im Ton vergriffen wird. Aktuelles Beispiel ist der Streit über die Hausarztverträge: Es werde Menschenleben kosten, sollte es die schwarz-gelbe Koalition tatsächlich wagen, diese Verträge und damit die zusätzlichen Einkünfte für die Hausärzte einzuschränken, warnte der Hausärzteverband kürzlich und kündigte für September bundesweite Protestaktionen mit Praxisschließungen an.Hausärzte arbeiten viel, verdienen aber deutlich weniger als ihre Facharztkollegen, so das Argument des Verbandes. Aber in den letzten Jahren hat die Politik einiges getan, um die finanzielle Lage der Hausärzte zu verbessern. Nicht zuletzt die Honorarreform von 2009 nutze vor allem auch ihnen. Der Hausarztverband rechnet allerdings weiter vor, dass sich seine Mitglieder am unteren Ende der ärztlichen Vergütungsskala befänden.Jahreshonorar 206 000 EuroDoch nun sind Zahlen in der Welt, die Zweifel daran säen, ob die Behauptungen der Hausärzte noch stimmen. Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bekommen die Hausärzte nämlich inzwischen mehr Honorar als ihre Facharztkollegen. Die KBV hat ermittelt, dass ein Hausarzt 2009 im Schnitt etwas mehr als 206 0000 Euro Honorar erhalten hat. Das waren sieben Prozent mehr als noch 2008. Die klassischen Hausärzte, die Allgemeinmediziner, bekamen etwas weniger als der Durchschnitt, die hausärztlich tätigen Internisten und die Kinderärzte etwas mehr. Für den einzelnen Facharzt hat die KBV dagegen nur ein Jahreshonorar von 203 000 Euro errechnet, was gegenüber 2008 immer noch ein Plus von sechs Prozent ausmacht. Allerdings gibt es hier je nach Fachrichtung große Unterschiede: Während fachärztlich tätige Internisten mit 450 000 Euro zu den Spitzenreitern gehören, bekommen Anästhesisten nur rund 173 000 Euro Jahreshonorar.Also keine Benachteiligung der Hausärzte mehr? Bei der Bewertung der Zahlen muss festgehalten werden, dass die KBV in der Auseinandersetzung nicht etwa ein neutraler Beobachter ist. Sie hat vielmehr handfeste Interessen daran, den inzwischen mächtigen Hausärzteverband wieder kleinzukriegen. Er ist schließlich zu einem direkten Konkurrenten geworden. Während die KBVen bisher ein Monopol darauf hatten, mit den Kassen flächendeckende Kollektivverträge über die ärztliche Versorgung abzuschließen, sind die Hausarztverträge nun generell Sache des Hausarztverbandes. Die Schlammschlacht kann in die nächste Runde gehen.------------------------------Grafik: Honorarentwicklung je Arzt (2008, 2009)