Randalierende Hausbesetzer haben am Freitag abend an der Kreutziger-/Ecke Boxhagener Straße in Friedrichshain eine Straßenbahn der Linie 21 angegriffen und in Brand gesetzt. Alle Insassen blieben äußerlich unverletzt. Eine Frau und ihr Kind mußten mit einem schweren Schock ins Krankenhaus gebracht werden.Gegen 18 Uhr stiegen zwei Jugendliche in die in Richtung S-Bahnhof Lichtenberg fahrende Straßenbahn. Sie zwangen die Fahrerin zur Herausgabe des Funkgerätes. An der Ecke Kreutziger-/Boxhagener Straße blockierte ein Müllcontainer die Fahrbahn. Die Straßenbahn hielt an. Die beiden Jugendlichen forderten die Fahrerin sowie die zehn Fahrgäste auf, die Bahn zu verlassen. Dann verschütteten sie Benzin und zündeten den Wagen an. "Kurz danach kamen etwa 20 weitere Randalierer, warfen die Scheiben der Bahn ein und schmissen Brandsätze", berichtete eine Augenzeugin. Kurz darauf stand die Straßenbahn in hellen Flammen. Die Insassen blieben unverletzt. Eine Frau und ihr Kind kamen mit einem schweren Schock ins Krankenhaus. Das Fahrzeug brannte aus.Die Randalierer setzten auch Baumaterial an einem Neubau für ein Büro- und Wohnhaus an der Ecke zur Kreutzigerstraße in Brand. Die alarmierte Feuerwehr wurde mit Leuchtraketen und Molotowcocktails angegriffen, als sie das Feuer löschen wollte, sagte Polizei-Einsatzleiter Jürgen Karaschewski.Der Autoverkehr auf der Boxhagener Straße kam durch sogenannte Krähenfüße zum Erliegen. Als die Polizei mit etwa 80 Einsatzkräften eintraf, flüchteten die Randalierer. Drei Personen wurden wegen Landfriedensbruchs festgenommen, nach Polizeiangaben unter anderem, weil sie einen Bauwagen in der benachbarten Niederbarnimstraße umstürzen wollten. Die Boxhagener Straße wurde von der Mainzer bis zur Niederbarnimstraße von der Polizei hermetisch abgeriegelt. Neue Hausbesetzungen habe es nicht gegeben, sagte Polizeihauptkommissar Karaschewski.Die Kreutzigerstraße mit ehemals neun besetzten Häusern ist seit längerem Brennpunkt von Auseinandersetzungen. Im Sommer hatte die Polizei erwogen, sie wegen zahlreicher Zwischenfälle formal als "gefährlichen Ort" einzustufen.Am Dienstag durchsuchte die Polizei im Rahmen einer Großrazzia mehrere Häuser und räumte eines. Tags drauf kam es zu Brandanschlägen auf die Mercedes-Niederlassung in Charlottenburg und zu versuchten Neubesetzungen in Friedrichshain und Mitte, die die Polizei verhindert hatte. Wegen der Räumungen fand am Freitag eine Sondersitzung der Bezirksverordnetenversammlung statt. In einer einstimmig verabschiedeten Erklärung protestierten die Verordneten gegen den "unter Mißachtung der Berliner Linie und des von der BVV beschlossenen Räumungsmoratoriums" erfolgten Polizeieinsatz. Die Senatsinnenverwaltung wurde dazu aufgefordert, die Friedrichshainer Ansätze zu "friedlichen und einvernehmlichen" Lösungen zu akzeptieren. An der kurzfristig anberaumten BVV nahmen fast nur Verordnete der PDS und der SPD teil. Die CDU boykottierte die Sitzung. Der PDS-Abgeordnete Freke Over sagte zu dem Anschlag auf die Straßenbahn, er könne sich nicht vorstellen, daß dieser von den Besetzern aus der Kreutzigerstraße verübt worden sei. "Viele Hausbesetzer waren als Zuhörer bei der BVV gewesen", sagte der 28jährige. Für Sonntag hat die PDS-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses auf der Frankfurter Allee zu einer Demonstration gegen die Räumungen aufgerufen. Es werden etwa 2 000 Teilnehmer erwartet. +++