BERLIN, 7. Mai. Harun Isa, Stürmer mit auslaufendem Vertrag beim Zweitligisten Tennis Borussia, ist verwundert. Er verhandelt mit dem Regionalligaklub 1. FC Union, doch nach einer Einigung sieht es nicht aus. "Ich dachte, die haben jetzt Kohle", sagt Isa, "aber die wollen mit billigen Spielern in die Zweite Liga. Das klappt nicht." Im Klartext: Isa will mehr Gehalt, ein Handgeld obendrein. Doch Unions Präsident Heiner Bertram sagt: "Wir schmeißen das Geld nicht raus."Eine neue Marschroute bei Union? Wo bisher der Sponsor ("Kinowelt") rund zehn Millionen Mark hineingebuttert haben soll und kein Spieler zu teuer war? Schon machen Gerüchte vor dem Heimspiel am Sonnabend (14 Uhr) gegen den BFC Dynamo die Runde. Kinowelt-Besitzer Michael Kölmel lege bei der Mitgliederversammlung am 12. Mai nicht nur endgültig sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender nieder, sondern trete insgesamt kürzer bei den Eisernen. Zumal mit Waldhof Mannheim und Alemannia Aachen zwei Kölmel-Klubs den Zweitliga-Aufstieg vor Augen haben und eine raschere Rendite versprechen.Kölmel selbst gab rasch Entwarnung: "Ich kenne diese Verunsicherung, aber ich stehe zu meinem Wort. Ich sehe weiter eine große Perspektive bei Union." Die Spendierhosen bleiben also an, doch der Gürtel wird fester gezurrt. Am Freitag traf sich der Unternehmer mit Bertram, um die neue Saison zu erörtern. Nachdem in diesem Jahr die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind, auf angeblich über sieben Millionen Mark, nannte Kölmel 6,5 Millionen Mark Etat als "absolute Obergrenze. Aber nur, wenn es optimal läuft und wir viele Prämien bezahlen müssen." Er wolle "schauen, wo das Geld hinfließt", sei doch "in der Saisonvorbereitung falsch investiert worden". Zudem müsse die Jugendarbeit forciert werden.Merkwürdige PersonalienEine erste Einschränkung für Trainer Fritz Fuchs, der, wie es scheint, bisher autark handeln durfte. Bisweilen erschloß sich der Sinn seines Handelns nicht. Er holte vor wenigen Monaten Spieler wie Swahn, Juarez und Thomaschewski, lobte sie als Erfolgsgaranten um sie jetzt wieder abzuschieben. Nico Thomaschewski, bis Januar bei Croatia, künftig bei Dynamo, sagt zum Abschied: "Die Personalentscheidungen bei Union sind merkwürdig. Ich weiß nicht, was man sich dabei gedacht hat. Ob man neue Spieler wie mich vorher gar nicht richtig beobachtet hat?" Thomaschewski geht mit dem Gefühl, "bei Union spielt Geld keine Rolle mehr". Pause. "Mir wird angst und bange um den Klub, jeder weiß doch, daß es heute nicht mehr so einfach ist, den Erfolg zu kaufen."Das versuchen die Eisernen nach wie vor, nur eben nicht mehr so exzessiv. So wurde die Anzahl der neuen Spieler auf fünf begrenzt. Die aktuellen Kandidaten kommen teuer genug: Kay Wehner und Jens-Uwe Zöphel, beide vom Zweitligisten Cottbus, sind schon an Bord. Mit Werner Heinzen ist man sich einig, doch die Freigabe von Eintracht Trier steht noch aus. Die Torjäger Marijo Maric (Reutlingen) und Veselin Popovic (Zwickau) haben auch Zweitliga-Offerten Union müßte tief in die Tasche greifen.Die neue Konkurrenz spürt auch der bislang unumstrittene Torwart Oskar Kosche. Er, seit sechs Jahren Unioner, bekommt mit Wehner einen Konkurrenten vor die Nase gesetzt. Kosche sagt: "Wenn wieder so viel eingekauft wird, daß der Erfolg gefährdet ist, werden Spieler wie ich, die lange da sind, künftig auch was sagen." Kosche ärgert sich, bei jüngsten Personal-Mißgriffen nicht protestiert zu haben: "Das hat mit dafür gesorgt, daß wir trotz des großen Potentials den Aufstieg nicht erreicht haben." Folge sei eine tiefe Unzufriedenheit in der Mannschaft. Bertram kontert, das Team sei selbst schuld am schlechten Betriebsklima, und wirft dem Ensemble im Fall des Brasilianers Juarez regelrecht Mobbing vor: "Der wurde nicht integriert, sondern vergrault. Sowas werden wir nicht mehr dulden."