Das "kleine Blaue" war s, das noch gefehlt hat in der Teenie-Modenschau der Adriana Lucia. Die 17-jährige Sängerin aus Kolumbien bleibt den wenigen Zuschauern bei ihrer Berlin-Premiere am Mittwochabend im Tempodrom nichts schuldig. Als sie zur zweiten Hälfte ihres Eröffnungskonzerts im Rahmen der Heimatklänge auf die Bühne zurückkehrt, da trägt die junge Dame ein blaues, kess geschlitztes Minikleid, das flächendeckend mit Strass überzogen ist es markiert den dritten Kostümwechsel innerhalb eines Konzerts, bei dem der Star des Abends offensichtlich beweisen will, dass man die Spice Girls auch in Kolumbien kennt. Adriana Lucia ist ein Profi: Sie singt, tanzt, strahlt und unterhält ihr Publikum mit einem Selbstvertrauen, das sie wohl schon besaß, als sie im Alter von sechs Jahren auf die Bühne kletterte. Mit 15 hat Adriana ihre Debüt-CD aufgenommen, auf der sich ihr Gesang bei den Popmelodien einer Mariah Carey ebenso bedient wie bei der Melancholie und Dramatik des Flamenco. Doch ihr Rhythmus ist der Vallenato, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Karibik entstanden ist: Über einem einfachen, tanzbaren Grundrhythmus breitet sich die perkussive Vielfalt von Congas, Kuhglocken, Holzblöcken und Timbales aus, während die melodischen Akzente vom Akkordeon stammen. Durch die Leichtigkeit seiner Melodien, durch Texte deren thematische Tiefe kaum über Herz und Schmerz hinausgeht ist der Vallenato zur Popmusik Kolumbiens geworden.Adriana Lucia wirkt wie die MTV-Version dieser Musik: Sie schmeißt die Haare in den Nacken, stemmt die Hände in die Hüften und lässt bemüht lasziv das Becken kreisen. An ihrer Seite hat sie zwei jüngere Begleiterinnen, die Synchron-Tanz probieren, aber trotz voller Konzentration nicht über das Bemühen hinauskommen. Gleiches gilt für deren gesanglichen Versuche. Immerhin machen sie flink jeden Kostümwechsel mit: Von der weißen Rüschen-Robe über enge Glitzerhosen bis hin zu besagten Minikleidern geht die Modenschau, die von den quirligen Rhythmen der Musiker begleitet wird. Sie alle beherrschen zweifellos ihre Instrumente, doch keiner denkt auch daran, sein Spiel zu Gunsten des Gesamtsounds zu reduzieren stattdessen kämpfen sie, wer die meisten Noten innerhalb einer Minute spielen kann. So beschränkt sich der kolumbianische Beitrag auf den Glamour. Wer sich tiefere Einblicke in die Musik Kolumbiens erhofft, wird von Adriana und ihrer Band enttäuscht.Adriana Lucia Fr, Sa 21.30 Uhr und So 16 Uhr im Tempodrom am Ostbahnhof