LICHTENBERG Steiler Aufstieg und plötzlicher Absturz - das ist das Schicksal der "Fabrikstadt Lichtenberg". Hundert Jahre Industriegeschichte dokumentiert eine Ausstellung des Heimatmuseums, die am Freitag eröffnet wird.Er gilt als der "Vater der deutschen Haushaltsmaschinen-Industrie". Willy Abel erfand einst den Eierschneider und die Brotschneidemaschine. Die von ihm 1907 in der Rittergutstraße gegründeten HARRAS-Werke sind einer der interessanten Betriebe, die in der neuen Ausstellung des Heimatmuseums Lichtenberg vorgestellt werden. Abels Eierschneider war 1909 einer der erfolgreichsten Massenartikel. Mehr als zehn Millionen dieser Weltneuheit wurden verkauft. Auch die Messerputzmaschine, eine gestanzte Reibe, der Brotschneider und das herzförmige Waffeleisen sind Patente dieses genialen Erfinders. Die HARRAS-Werke gehörten zu den wenigen Betrieben, die nach 1945 nicht enteignet wurden. 1952 übernahm der Magistrat die Aufsicht über den Betrieb, 1960 erfolgte die Zwangsverpachtung an den VEB Transformatorenwerk. Zugleich erlosch der Schutz des Warenzeichens "HARRAS". Nach 1990 erhielten die Erben Willy Abels das Firmengrundstück in der heutigen Josef-Orlopp-Straße zurück. Die Gebäude wurden saniert und zu einem Büro- und Gewerbehof ausgebaut."Etwa 2 000 Betriebe in nahezu allen Industriezweigen sind nach 1920 hier ansässig gewesen", informiert Museumsleiterin Christine Steer. Anhand von 28 Unternehmen wird in der Schau Industriegeschichte lebendig: alte Fotos, Dokumente und Sachzeugen reflektieren den Aufschwung und Niedergang des einst bedeutendsten Industriestandortes im Berliner Osten. Namen wie Norddeutsche Eisenwerke, Siemens & Co, Knorr-Bremse AG, Berliner Gußstrahlfabrik, Konsumgenossenschaft Berlin, Elektrokohle Lichtenberg waren weltbekannt.In Lichtenberg wurde das Perlon erfunden, produzierte die Venetia Schokoladenfabrik über 40 Sorten Bonbons, wurden die AGA-Wagen gebaut, die 1926 als erstes deutsches Auto Ballonreifen erhielten. "Das knallrote Modell des AGA-Zweisitzers wird sicher bei den Besuchern am meisten ankommen", vermutet die Museumsleiterin.Zahlreiche Exponate wie die hölzerne Brotschneidemaschine, das Waffeleisen und auch Fotos hat der Enkel Willy Abels dem Museum für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.sei Die Ausstellung "Fabrikstadt Lichtenberg" ist vom 25. April bis 31. März 1998 im Heimatmuseum, Parkaue 4, zu sehen. Geöffnet: dienstags und donnerstags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs 13 bis 18 Uhr, sonntags 14 bis 18 Uhr. +++