Lokales Zu "Wenige unterschreiben gegen die Rechtschreibreform" von Fina Geschonneck (11. Mai):Kommt es in Berlin zur Volksabstimmung, dann scheitert die Rechtschreibreform. Scheitert aber die zuvor notwendige Unterschriftenaktion, dann erweist sich das Instrument "Volksbegehren" als absichtsvolle Fehlkonstruktion der Parteien mit dem Ziel, Volkswillen zu verhindern nach dem bei hirntoten Organspendern angewandten Prinzip: wer nicht widersprochen hat, dem werden Organe entnommen. Nur ein demokratisch unempfindliches Gemüt kann solchem Volksbegehren "mit großer Gelassenheit" entgegensehen, wie die Schulsenatorin Stahmer.Spätestens seit dem Scheitern der "Reform" in Schleswig-Holstein hätten die Kultusminister ihre Zwangsmissionierung aufgeben müssen. Statt dessen setzt man darauf, daß die Bürger andere Sorgen haben, als zu Bedingungen, hundertfach schlechter als in Schleswig-Holstein, entlegene Orte zu suchen, um öffentlich Unterschriften zu leisten. Diese Art von Demokratie ähnelt doch sehr den einstmaligen "Volksdemokratien" östlicher Prägung. Besonders heimtückisch ist: Dieser Farce die Unterschrift verweigern, heißt auf ein Stück Demokratie verzichten.Sigmar Salzburg, Dänischenhagen