Heiner Bertram über seinen früheren Klub in Liga zwei: "Zingler sollte nicht zu sehr träumen"

Herr Bertram, der 1. FC Union hat nach dem 1:1 gegen Erfurt den Meisterpokal der Dritten Liga erhalten. Der Aufstieg in die Zweite Liga ist geschafft. Was empfinden Sie?Pure, ehrliche Freude. Auch, weil endlich der Fehler von damals wieder gut gemacht wurde.Sie spielen auf die Nacht- und Nebelaktion im Oktober 2003 an. Damals wurden Sie aus dem Amt verdrängt - der Klub versank im Chaos und stieg aus der Zweiten Liga ab.Damals wurde viel zerstört. Der Verein hat dadurch einige Millionen Euro verloren.Hätten Sie gedacht, dass Union - 2005 bis in die Oberliga abgestürzt - sich noch einmal so erholen würde?Ich habe es immer gehofft. Jetzt scheint wieder alles zu stimmen. Trainer Uwe Neuhaus hat aus Eisen Stahl geschmiedet. Und ich muss sagen: Präsident Zingler hat einen guten Job gemacht. Er hat die Zügel in der Hand, ist so konsequent wie ich - nur das bringt Erfolg.Aber Sie mögen sich doch nicht.Ich habe im Grunde gar kein Verhältnis zu Zingler. Ich fand nicht in Ordnung, dass er mir damals nur eine Ehrenkarte für die Nebentribüne gewährt hat. Die habe ich zurückgeschickt. Das gehört sich nicht, ich habe sechs Jahre gute Arbeit geleistet. Seitdem war ich nur einmal im Stadion, als mich der Aufsichtsratschef Hurtado eingeladen hat.Bei seiner Amtsübernahme 2004 behauptete Zingler, Sie hätten den Klub, damals mit mehr als 13 Millionen Euro verschuldet, fast in den Ruin geführt. Er ist stolz darauf, nun die Zweite Liga erreicht zu haben, ohne neue Schulden zu machen.Ich bleibe dabei: Das waren keine Schulden, das war ein Investment von Dr. Michael Kölmel. Für ihn war es sehr teuer, verlustreich - aber diese Darlehen haben wir damals gebraucht, um in die Zweite Liga zu springen.Kann man die Aufstiege von 2001 und heute vergleichen?Es gibt eine Parallele: Damals schon haben die Fans mit angepackt, um unser Stadion zweitligatauglich zu machen. Die überdachte Tribüne ist durch eine Fan-Aktion entstanden. Ich weiß noch, wie wir die alten Sitzschalen aus dem Olympiastadion eingebaut haben. Jetzt haben sich die ehrenamtlichen Arbeiter noch einmal selbst übertroffen. Entstanden ist ein Zweitligastandort vom Feinsten.Damals wie heute soll die Zweite Bundesliga nur Zwischenstation sein. Die wahren Ziele sind andere.Ja, einerseits sage ich mir oft: Wer weiß, wo Union heute wäre, wenn das damals nicht passiert wäre. Andererseits denke ich auch: Zingler sollte sich über die Zweite Liga freuen, nicht zu sehr träumen.Inwiefern?Auch wir mussten erkennen, dass mehr als die Zweite Liga an der Alten Försterei nicht möglich ist. Es wäre schön, wenn Berlin einen zweiten Erstligaverein hätte, aber in Köpenick könnte der dann nicht bleiben. Union müsste nach Berlin-Mitte, in ein neues Stadion. Und was würde dann die militante Pro-Alte-Försterei Fraktion tun? Ich glaube auch, dass Union noch nicht das Potenzial für mehr als die Zweite Liga besitzt. Schon wir waren damals enttäuscht, dass der Zuschauerschnitt nur bei 10 000 lag - das wird diesmal nicht anders sein.Wird man Sie bei der Stadioneröffnung im Juli gegen Hertha sehen?Nur wenn ich eingeladen werde. Ich will mich nicht anbiedern, drücke aber die Daumen. Ich bin sicher, die Unioner sind so stabil, dass sie den Klassenerhalt locker schaffen.Das Gespräch führte Matthias Wolf.------------------------------Foto: Heiner Bertram: "Ehrliche Freude."