Heißes Italien: Den Ausdünstungen des Vulkans Solfatara werden aphrodisierende Kräfte nachgesagt: Schnuppern, lieben, heiraten

Es stinkt. Das fällt den Touristen hier oben am Solfatarakrater als erstes auf. Seine Ausdünstungen verursachen einen Geruch, der besonders an eines erinnert: faule Eier. Nur die wenigsten der jährlich rund 130 000 Menschen, die den kleinen Vulkan in Pozzuoli nahe Neapel besuchen, kämen auf den Gedanken, dass sie vermutlich an einen der größten Liebesdiener weltweit geraten sind.Eingenebelte PaareSelbst Amor würde vor Neid erblassen, seinen Pfeil und Bogen in die Ecke stellen und hier lediglich als Touristenführer anheuern. Denn der rund 160 Grad heiße Krater inmitten der Phlegräischen Felder spendet mit seinem Sulfatdampf quasi ein natürliches Viagra, wie einige Wissenschaftler unlängst herausgefunden haben. Und das völlig kostenlos, wenn man vom geringen Eintrittspreis auf das Solfatara-Gelände einmal absieht. Bereits in der Antike nutzte man den Vulkan für Saunagänge und heilsame Thermalbäder -bis dato aber völlig unwissend über diese nützlichen Nebeneffekte.Der Medizinnobelpreisträger Professor Louis Ignarro hat nun in Zusammenarbeit mit einigen Dozenten von der Universität von Neapel eine Studie in einem amerikanischen Magazin veröffentlicht, in der er vor allem zwei Enzyme im männlichen Körper für dessen Manneskraft verantwortlich macht -sie produzieren demnach die notwendigen wasserstoffhaltigen Sulfate (H²S), quasi den stinkenden Vulkandampf. Resultat dieser Dauerinhalation für die umliegende Bevölkerung von Pozzuoli: Rund 1 000 Geburten jährlich. Kein Beweis? Giorgio Angarano, Manager und Mitbesitzer des Solfatara-Geländes, das seit 1868 in Familienhand ist, verweist auf seinen Verwandten. Sebastiano De Luca muss als weiterer Beleg für die Kräfte dienen. Dieser hielt selbst viele Jahre das Ruder hier am Krater in den Händen und kann mittlerweile auf eine stolze Bilanz in Sachen Liebe zurückblicken: Er hat 18 Kinder von drei Frauen.Ältere wie Jüngere lassen sich daher gerne mal ein bisschen einnebeln. "Ich kann mir das eigentlich nicht wirklich vorstellen und habe bislang auch noch keine Probleme in dieser Hinsicht", sagt der 30-jährige Stefaan aus Holland. Trotz bekundeter Zweifel steht er bald darauf mit seiner Freundin Caroline eng umschlungen im zarten Dunst, der die sagenhafte Wirkung verspricht. Man weiß ja nie, wozu es gut ist.Wem der Liebesdampf -natürlich durch die Nase -letztlich zu Kopf gestiegen ist, wo er seine sagenumwobene Wirkung entfaltet hat, kann seinem neu gewonnenem Liebeshunger gleich im Anschluss eine feste Bindung verleihen: So tun es viele Neapolitaner jedes Jahr auf dem Hügel Posillipo, an der Via Petrarca, hoch über der kampanischen Hauptstadt Neapel. Vor einer großartigen Kulisse geloben sich zahlreiche junge Pärchen dort die ewige Treue und verankern ihren Schwur sinnbildlich mit einer kleinen Eisenkette, einem robusten Schloss sowie den jeweiligen Initialen am grünen Straßengeländer. Und im Gegensatz zu den zahlreichen Schlössern, die spätestens nach einigen Jahren allein aus Platzmangel von der hiesigen Stadtverwaltung entfernt werden, hält eine dort oben geschlossene Verbindung angeblich länger als Durchschnittsehen.Geheiratet wird rund um Neapel übrigens traditionell auf den Anhöhen des Vesuvs. Der schlafende Riese, der 79 nach Chr. Pompeji zerstörte und mit exakt 1 281 Metern über der Zweimillionen-Metropole thront, ist ein Magnet für die Heiratswilligen der Region. An den Wochenenden sind die zahlreichen Hotels mit bester Aussicht über die drittgrößte Stadt Italiens von Hochzeitsgesellschaften gebucht.Höhenkoller am Vesuv"Es ist der Anfang aller Probleme", spottet Raffaele von "Vesivio Tours" mit einem Augenzwinkern. Nur wenige Meter weiter oben betreibt er ein ganz herkömmliches Sightseeing-Geschäft mit dem Vulkan, der übrigens von der Unesco zum Weltnaturschutzgebiet erklärt wurde. "Am Vesuv bekommen die Leute maximal einen Höhen-, aber sicherlich keinen Liebeskoller", verspricht er den Besuchern, die eigentlich nur wegen der beeindruckenden Aussicht kommen. Und hat für die Skeptiker ein paar - auch nicht gerade beruhigende -Worte parat: "Hier in Neapel stinken höchstens einmal die Müllberge, die häufig zum Stadtbild gehören. Und die sind zum Glück ganz harmlos."------------------------------Wissenswertes vor der ReiseInformationen: Allgemeine Informationen zur Region Kampanien und rund um Neapel erhält man beim Fremdenverkehrsamt von Neapel (Piazza dei Martiri 58). www.eptnapoli.infoAnreise: Verschiedene Fluggesellschaften, zum Beispiel Easyjet und Lufthansa, fliegen von Berlin direkt nach Neapel. Ein Transfer in den sieben Kilometer entfernten Stadtkern ist erschwinglich: für 3 Euro mit dem Bus und ungefähr 20 Euro mit dem Taxi.Übernachten: Eine Übernachtung im Doppelzimmer mit belebender Wirkung aufgrund der Nähe zum Vulkan ist im Hotel und Restaurant Solfatara ab 55 Euro zu haben. Via Solfatara 161, 80078 Pozzuoli (Neapel). Infos und Buchungen unter info@hotelsolfatara.it. www.hotelsolfatara.itSolfatara: Der Eintritt zum Kratergelände kostet für Erwachsene 6 Euro, 4 Euro für Kinder bis 10 Jahren, für Kinder bis 4 Jahre ist der Eintritt frei. www.solfatara.it------------------------------Foto: Auch wenn die erregende Wirkung seiner Dämpfe ausbleiben sollte, landschaftlich reizvoll ist der karge Solfatara allemal.Foto: Schwefelhaltige Ballongläser am Solfatarakrater