Ein bislang kaum beachtetes Tier paddelt durch die deutsche Medienlandschaft: der Axolotl, ein stummes, fast blindes, nachtaktives Wesen, das am Grunde entlegener Tümpel nahe Mexiko-Stadt sein Zuhause hat. Allein dem Roman von Helene Hegemann "Axolotl Roadkill" verdankt dieser Molch seine neue Popularität - obwohl: Wie populär ist er wirklich hierzulande? Was soll er, was kann er?Das muss sich neuerdings Klaus Oechsner fragen lassen, Präsident des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe in Deutschland, und selbst Halter von Axolotl. Die Bild-Zeitung, die Deutsche Presse-Agentur, viele, viele mehr bedrängen Oechsner dieser Tage mit ihren Fragen. Überschwemmen neu entflammte Aquarianer den Fachhandel mit Axolotl-Anfragen? Steigen die Verkäufe exponentiell? Wie wirkt sich der "Hegemann-Effekt" (Süddeutsche Zeitung) aus? Axolotl auf Nemos Spuren?"Das ist vielleicht eine Erwartung der Medien, aber kein messbarer Trend im Zoofachhandel", antwortet Klaus Oechsner leicht entnervt. Doch eigentlich hofft er, dass sich was tut; er findet nämlich, dass der Axolotl Aufmerksamkeit verdient hat.Wollte man sich wirklich hineinversetzen in das Tier, man müsste sich einbuddeln in den schlammigen Boden des Xochimilco-Sees. Genau das tut dieser scheue Vertreter der Querzahnmolche nämlich in seinem überschaubaren Heimatgewässer, wenn es draußen stürmt, tost, ungemütlich wird. Und dann tut er erst einmal lange Zeit - nichts. Der bis zu 30 Zentimeter (Enthusiasten sprechen von 40 und mehr Zentimetern) lange Bursche ist ein Meister des Verharrens. Er zieht sich in Höhlen zurück und wird erst nachts aktiv. Dann aber richtig. Denn der Axolotl, so putzig sein Äußeres erscheinen mag, ist ein Räuber allererster Kajüte.Über Krebse, kleine Fische, Weichtiere aller Art fällt der Axolotl her, blitzartig. Schnappt die Beute mit seinen seltsam abgeflachten Zähnen, schlingt sie dann herunter. Auch Larven seiner Artgenossen stehen auf dem Speisezettel. In Gefangenschaft haben erfinderische Aquarianer auch schon Kellerasseln, schwarze und rote Mückenlarven (klein geschnitten!) verfüttert und Regenwürmer (mit der Pinzette). Bei der Nahrung sind diese Molche also recht unkompliziert, wie auch der Betreiber der Website tierdoku.com bestätigt: "Grundsätzlich gilt, alles, was in ihr Maul passt, wird gefressen - egal, ob es ihnen gut tut oder nicht." Was auch zur Folge hat, dass der Axolotl "zur Vergesellschaftung nicht geeignet ist", wie Aquarianer bestätigen. Der Molch kann nur unter Molchen gehalten werden, und wird selbst dann des Molches Molch.Die muntere Gefräßigkeit des Axolotl ist denn auch eine der Hauptattraktionen für hiesige Halter. Diverse Web-Videos zeigen Aquarianer, die ihren "Lotl" (Fan-Deutsch) beim ruckzuckartigen Verspeisen vorführen, oder zumindest vorführen wollen. Bisweilen zeigt sich das Tier verstockt, kann ja nicht mal blinzeln: Dem Axolotl fehlen die Augenlider. Lediglich seine fransenartig abstehenden Kiemen wackeln, vom Wasser bewegt, ein wenig hin und her.Immerhin kann der kleine Mexikaner ein Kunststück, das ihm nicht viele Verwandte nachmachen können. Beim Raufen, Räubern, Attackieren geht der Molch derartig rücksichtslos vor, dass schon mal ein Zeh verloren geht. Ein Stück vom Schwanz. Ein ganzer Fuß! Der Axolotl lässt das betroffene Körperteil einfach komplett nachwachsen. Nicht nur so ein bisschen wie der Salamander, der am Schwanz ja eine Art Sollbruchstelle besitzt. Sondern die Extremität wird komplett nachgebildet.Unspektakulär ist der Axolotl-Sex. Nach Amphibienart sondert das Männchen ein Samenpaket ab, das vom Weibchen aufgenommen wird. Und doch gestaltet sich die Nachzucht als sehr schwierig. "Innerhalb von 36 Jahren ist mir die erst ein Mal gelungen", berichtet der Molchfreund Oechsner. In Deutschland besteht allerdings auch kein großer Bedarf. Oechsner, der auch einen Tierhandel hat, verkauft zwanzig Axolotl pro Jahr.------------------------------Kleine StarsClownfische, Dalmatiner, Ratten - immer dann, wenn Animationsfilme mit Tieren in die Kinos kommen, steigt die Nachfrage in den Tierhandlungen. Als "Ratatouille" in Frankreich lief, kauften die Franzosen 40 Prozent mehr Ratten.Im Film "Findet Nemo" flieht ein Clownfisch durch den Abfluss in die Freiheit. Zu Hause wollten Kinder den Zierfischen in den Aquarien ihrer Eltern helfen und warfen sie in die Toilette. Leider konnten die Meerwasserfische im Abwasser nicht überleben.------------------------------Foto: Im Kino wurde die Ratte Rémy zum heimlichen Star der Küche.Foto: Freundlich nur auf den ersten Blick - ein Axolotl frisst alles, auch Artgenossen.