In einer Drehpause im Jüchener Nikolauskloster wandte sich eine betagte Kleindarstellerin an Helga Göring. "Sie haben aber eine schöne Rolle abbekommen! Aus welchem Altersheim kommen Sie denn?" Dass sie mal nicht erkannt wird und im "Tatort"-Vorspann fälschlicherweise als "Helga Göhring" geführt wird, nimmt sie locker. Im Osten wäre ihr das nicht passiert: Hier ist die Schauspielerin bis heute populär. Oft spielte sie mütterliche Frauen ohne viel Eitelkeit. Seit der Serie "Rentner haben niemals Zeit" gilt sie als die bekannteste TV-Großmutter der DDR. Helga Göring war da 57. "Ich hab immer früh gewechselt", sagt sie. "Ich war im Film früh Mutter und früh Großmutter." Große GefühleSie hat das immer als Vorteil gesehen: "So konnte ich diese Rollen länger spielen. Sich älter zu machen ist auch viel einfacher, als sich jünger zu machen. Ich hab oft Komplimente bekommen: ,Sie sehen aber viel jünger aus als im Film'." Inzwischen ist Helga Göring 82 Jahre alt und erklärt, halb im Scherz: "Wenn ich jetzt noch Rollen bekomme, die meinem Alter voraus sind, muss ich schon Sterbende spielen." Im Tatort "Hundeleben" spielt Helga Göring eine reife Dame im Altenheim, die sich aber fast wie ein junges Mädchen aufführt. Als Margot Schenk von ihrem Enkel, dem Kriminalkommissar (Dietmar Bär), gegen ihren Willen ins Heim gebracht wird, reagiert sie trotzig. Doch im Seniorenstift "Abendrot" erlebt sie noch mal eine große Liebe und tanzt trotz Gipsbein Tango mit dem umschwärmten Konstantin (Otto Mellies). Helga Göring zählt die Rolle zu den schönsten ihrer Laufbahn: "Wann darf man als alte Frau noch mal große Gefühle zeigen, von der Liebe bis zur Trauer." Die Geschichte der Schauspielerin Nina Hoger, die bei diesem Tatort als Drehbuchautorin debütiert, will den schwierigen Umgang mit Senioren thematisieren und gibt sich dabei anklägerisch. Im Stift versehen eine zynische Leiterin und völlig überarbeitete Pfleger ihren Dienst. Regisseur Manfred Stelzer zeigt das Altenheim als düsteren, unheimlichen Ort. Kurz hintereinander sterben nicht nur mehrere Bewohner, auch die Heimärztin wird erschlagen. Kommissar Schenk muss mit dem Kollegen Ballauf nicht nur den Mord aufklären, sondern sich auch mit seiner Oma auseinandersetzen und überdies um den herrenlosen Hund der toten Ärztin kümmern. Der Kriminalfall wird dabei vom Motiv "Leben im Altenheim" bald in den Hintergrund gedrängt und vernachlässigt. Die Zustände dort scheinen überzeichnet, immerhin zeigt Anneke Kim Sarnau als überforderte Pflegerin eine beeindruckende Leistung. Dagegen wirken die älteren Darsteller meist unterfordert, ihre Figuren oft kindisch. Nächste Rolle im "Polizeiruf"Oma Schenk, so viel sei verraten, überlebt den Aufenthalt im "Abendrot". Helga Göring, die sich privat einen Gang ins Heim nicht vorstellen kann und seit Jahren mit ihrer Schwester in einem Dorf in Mecklenburg lebt, würde gern wieder mit Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt arbeiten. Demnächst steht erst mal eine weitere Rolle im Seniorenstift an: Im NDR-Polizeiruf bringt Kommissar Hinrichs seinen Vater dort unter, Helga Göring spielt eine Mitbewohnerin. Beim Dreh in Mecklenburg wird sie bestimmt niemand fragen: "Aus welchem Altersheim kommen Sie denn?" Tatort: Hundeleben; Ostermontag, 20.15 Uhr, ARD------------------------------Foto: Freddy Schenks Oma (Helga Göring) ist nicht wirklich glücklich darüber, ihren Lebensabend im Seniorenstift verbringen zu müssen.