In der südbrandenburgischen Ortschaft Winkel, unweit von Bad Liebenwerda (Landkreis Elbe-Elster), ist gestern nachmittag ein Hubschrauber der Bundeswehr abgestürzt. Dabei kamen alle drei Besatzungsmitglieder ums Leben.Als Harry Wendt gestern nachmittag von der Arbeit nach Hause kam, erschrak er. Sein Dorf Winkel - eine 200-Seelen-Gemeinde - glich einer Festung. Die Hauptstraße sowie die meisten der kleinen Feldwege waren abgesperrt. Überall standen Anwohner und diskutierten. Einige liefen hektisch hin und her. Polizisten und Soldaten der Bundeswehr kontrollierten jeden, der durch die Absperrungen wollte. Am Straßenrand standen Feuerwehrfahrzeuge. Als Harry Wendt nach Hause kam, erzählte ihm seine Frau, was geschehen war. Dächer gestriffen Gegen 14.30 Uhr hatte sich am Ortsausgang in Richtung Bad Liebenwerda die Katastrophe ereignet. Ein Hubschrauber der Bundeswehr vom Typ BO 105 war abgestürzt. Dabei hatte er die Dächer von zwei Häusern des Dorfes gestriffen. Ein weiteres Haus, vor dem der Hubschrauber aufprallte, wurde durch die Rotorblätter so stark beschädigt, daß es jetzt unbewohnbar ist. "Gott sei Dank war keiner daheim oder auf der Straße", sagte eine Anwohnerin. In dem Haus lebe eine Familie mit zwei Töchtern. Erst vor zwei Jahren sei das Gebäude fertig geworden. Bei den anderen beiden Häusern seien glücklicherweise nur die Fensterscheiben zersprungen, berichtete die Frau. "Die Trümmerteile des Hubschraubers lagen im Umkreis von 100 Metern verstreut." Er war nach dem Aufprall sofort in Flammen aufgegangen. Rettungsmannschaften und Feuerwehrleute aus dem Dorf und der näheren Umgebung trafen sofort an der Absturzstelle ein und löschten das Feuer. Für die drei Besatzungsmitglieder kam aber jede Hilfe zu spät. Sie waren sofort tot, so ein Mitarbeiter der Rettungsdienstes aus Bad Liebenwerda. Zwei Augenzeugen erlitten einen Schock. Am Abend wurde bekannt, daß ein Lkw-Fahrer nur um Haaresbreite dem Unglück entronnen war. Als er den Hubschrauber auf sich zukommen sah, soll er geistesgegenwärtig den Rückwärtsgang eingelegt haben. Bei den Opfern handelt es sich um zwei Männer im Grundwehrdienst und einen Offizier, der die Maschine flog. Die Armeeangehörigen befanden sich auf einem Ausbildungsflug von Mendig in Rheinland-Pfalz nach Cottbus, wo sie stationiert waren. Ohne Munition Wie Polizeibeamte des Präsidiums Cottbus am Abend gegenüber der Berliner Zeitung mitteilten, habe der Hubschrauber weder Bewaffnung noch Munition mitgeführt. Zum Zeitpunkt des Absturzes hätten in der Region normale Wetterverhältnisse geherrscht. Augenzeugen sagten, daß der Helikopter in der Luft explodiert sei und dann seitlich auf die Erde fiel. Diese Version konnten Mitarbeiter der Bundeswehr nicht bestätigen. Eine Kommission der Bundeswehr, der auch Spezialisten der Flugsicherung Köln angehören, übernahm die Untersuchungen. Zu der Absturzursache konnte die Bundeswehr-Pressestelle des VI. Korps in Potsdam noch keine Angaben machen. Der Ort bleibt wegen Bergungsarbeiten bis heute vormittag weiträumig abgesperrt. Der Helikopter vom Typ BO 105 wird bei der Bundeswehr als Verbindungs- und Beobachtungshubschrauber oder als Panzerabwehrhubschrauber eingesetzt. Einschließlich des Piloten finden fünf Passagiere in der Maschine Platz. Der letzte Absturz eines Bundeswehr-Hubschraubers in der Region Berlin-Brandenburg ereignete sich 1995. In der Nacht zum 9. September war ein fünfsitziger Hubschrauber vom Typ "Alouette II" in einen Kiefernwald bei Drögen an der B 96 unweit von Fürstenberg abgestürzt. Dabei kamen der Präsident des Grenzschutzpräsidiums Ost, Lothar Pusch, sowie zwei weitere Armeeangehörige ums Leben. +++