Hellersdorfer Corso mit 20 Geschäften und Gaststätten eröffnet: Ehrengast kommt per U-Bahn

HELLERSDORF Das Einkaufszentrum "Hellersdorfer Corso" wurde gestern eröffnet. Unter dem Dach des 77 Millionen Mark teuren Hauses an der Neuen Grottkauer Straße befinden sich rund 20 Geschäfte sowie Gaststätten, Sportstudios, Arztpraxen und Büros.Ein neues Einkaufszentrum: Musik, Reden, Blumen, Sonderangebote, Glücksspiele - und viele Hoffnungen. Schon 20 Minuten vor der Eröffnung schlendert Karl-Heinz Wegner aus der Cecilienstraße ums neue Haus. Die Neugier macht ihn beinahe lyrisch: "Das ist ein Mosaikstein mehr im Hellersdorfer Handel." Er hofft auf bessere Möglichkeiten zum Variieren beim Einkaufen. "Aber besonders interessiert mich die Bowlingbahn." Doch die Kugel rollt noch nicht, es wird - wie in einigen Geschäften - weiter ausgebaut. "Macht nichts", meint Wegner gelassen, "dann eben später mal."Das Corso wurde als Nahversorgungszentrum konzipiert: rund 10 000 Quadratmeter Handel, Büro und Freizeit für 15 000 Anwohner im Dreh. Doch Kritiker, wie die Wohnungsbaugesellschaft Hellersdorf und der Investor fürs neue Hauptzentrum, die Mega AG, hatten wiederholt über zu viele Kiezzentren geklagt. Sie wären überflüssig und würden die Einzelhändler in der Umgebung gefährden. Für Karin Thews im Kiosk der "Bäckerei Wahl" gegenüber dem Corso ist das keine aktuelle Sorge: "Denn wir beginnen wochentags um 5 Uhr, viel früher als die andern." "Wir haben genau durchgerechnet", betont Heinrich Buschmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Konzepta GmbH, dem Corso-Eigentümer. "Wir favorisieren kleinteiligen Handel." Einer der kleinen Händler ist Peter Willschütz. Früher im Werk für Fernsehelektronik für Materialbeschaffung zuständig, "beschafft" er jetzt Gurken, Meerettich und andere Spreewald-Spezialitäten. Neben einem Geschäft in Köpenick und Ständen auf Wochenmärkten ruhen die Hoffnungen des 35jährigen nun auf dem Corso. "Wenn alle Geschäfte hier eröffnet haben, ist das ein guter Branchenmix. Warten wir ab, wie er angenommen wird."Der Investor gibt die Gewerbemieten mit 20 bis 60 Mark je Quadratmeter an. Mehr als die Höhe schmerzt manchen Kleinhändler die Laufzeit des Vertrages von zehn Jahren. "Die Banken", weiß Willschütz, "wollen schließlich Sicherheiten sehen." Buschmann verrät auch eine andere Sicht. Kurz vor der Corso-Einweihung sagt er nachdenklich: "Die kleinen Händler haben zum Teil ihr ganzes Geld reingesteckt. Wenn's für sie schwer wird, will ich nicht vergessen, wo ich hergekommen bin." Denn der 68jährige hat sich während seiner Ausbildungsjahre mit Ringkampf ein paar Mark verdient, er hat in Las Vegas gebaut und noch vor zwei Jahren in Berlin ein Hotel erworben. "Ich brauche eine Aufgabe, die Spaß macht." Dabei geht's ihm mal um Kohle und mal um Kohlen - als Charlottenburger Chef der Arbeiterwohlfahrt sorgt er sich, wenn nötig, auch selbst um Brennstoffe für Bedürftige. Mit der U-Bahn ist Ehrengast Elfriede Lang gekommen. Die 83jährige Friedrichshainerin hatte sich bei einem Preisausschreiben den Namen "Hellersdorfer Corso" ausgedacht. "Ich habe schon sehr oft Namen vorgeschlagen. Zum Beispiel dem Herrn Dathe vom Tierpark für seine Wisente, und auch an Herrn Diepgen habe ich geschrieben." Der Preis für die Corso-Idee war eine Wochenendreise mit einer Nachbarin nach Paris. "Ehrlich, alleine kann man da nicht hinfahren." Dann wird Elfriede Lang zum Durchschneiden des Bandes gebeten. Das Corso wird eröffnet. Leichtes Gedränge. Peter Sonnenburg ist der erste Besucher, ein Präsentkorb mit Wurst der Lohn. +++