Seine wehend weißen Haare gehören zum Kulturleben Berlins. Doch mancher, der Helmut Börsch-Supan von ferne - etwa bei Ausstellungseröffnungen - sieht, weicht aus. Denn dort naht geschwinden Schritts "ein Kämpfer", wie seine vielen Bewunderer sagen, "ein Querulant" für seine vielen Gegner. Die Karriere des einstigen Gemäldekustos der Schlösser und Gärten litt wegen der in seiner Profession ungewöhnlichen Kritik an Museen und Kulturmanagern. Dafür aber hat er mit Zeitungsartikeln, Führungen und Urania-Vorträgen eine breite Anhängerschaft gewonnen, wie sie Kunsthistorikern selten zuwächst.Immer ist er voller Sorge um die hilflos der materiellen und politischen Verwertung ausgesetzten Kunstwerke. Doch hinter dem noch immer jungenhaft aufbrausenden Auftreten droht die kunstwissenschaftliche Leistung Börsch-Supans mitunter zu verschwinden. Wie bei vielen bedeutenden Forschern und Kennern sind auch seine Ergebnisse oft umstritten, aber selten fruchtlos. Der intime Blick, die meditative Versenkung zeichnet seine Texte aus - und der von historischer Distanz geprägte Versuch, sich einzuleben in die Künstler vergangener Zeit.Seine Überzeugung, dass die Erfahrung guter Kunst zum besseren Leben führe, prägt den als Handbuch unentbehrlichen Reclam-Kunstführer für Berlin wie auch viele Künstlermonografien, allen voran die über Caspar David Friedrich. Kürzlich skizzierte Börsch-Supan die Kunstgeschichte Berlins erfolgreich als die der Zuwanderer - so wie er selbst ein Zugewanderter ist: Heute vor siebzig Jahren wurde er in Köln geboren, linksrheinisch, dort, wo schon die Römer waren, wie er betont. Diejenigen also, die im Gegensatz zu den Germanen nicht nur Kultur, sondern Zivilisation hatten. Wir gratulieren. (nb.)