Der frühere MfS-Oberstleutnant Helmut Voigt (51) hat gestern vor dem Landgericht bestritten, den Anschlag auf das französische Kulturzentrum "Maison de France" im August 1983 unterstützt zu haben. Damals sind ein Mensch getötet und 23 verletzt worden.Der Sijährige Voigt gibt sich vor den Richtern gelassen. Ruhig nimmt der untersetzte Mann mit den kurzgeschorenen Haaren und einer Hornbrille an einem Tisch vor der Richterbank Platz. Auf seine funfstundige Aussage hat sich der frühere Mf 5-Geheimdienstler, der seit 1978 den internationalen Terrorismus bekämpfte, gut vorbereitet. Ein umfangreiches Manuskript ist ausgearbeitet, das eine klare Gliederung enthält. Sachlich, gelegentlich schulmeisternd, erläutert Voigt den Richtern den Aufbau des Mf 5, erklärt die Befehisstruktur innerhalb der Stasi und kommt schließlich auf die Vorwürfe in der Anklage zu sprechen. Selbstsicher gibt sich der Angeklagte. Bestimmt, so als gäbe es keine andere Einschätzung, erläutert er der 29. Großen Strafkammer seine Sicht der Dinge. Beihilfe zum Mord wirft die Staatsanwaltschaft dem früheren MfS-Offizier vor, der seit 1982 kommissarisch, seit 1984 offiziell die Unterabteilung XXII des MfS geleitet hat.Der Anklage zufolge hat er 1983 dafür gesorgt, daß Johannes Weinrich, Stellvertreter des international gesuchten Terroristen " Carlos", in Ost-Berlin 24 Kilogramm Sprengstoff zuruckerhielt und ihn in der syrischen Botschaft deponieren konnte. Von dort soll der Anschlag auf das "Maison de France" am Kurfürstendamm organisiert worden sein. Voigt dagegen weist die Verantwortung weit von sich. Er habe keine herausragende Position im Mf S bekleidet und habe lediglich zum "mittleren leitenden Kader" gehört. Der Befehl zur Herausgabe des Sprengstoffs sei vom damaligen Leiter der Abteilung XXII, Harry Dahl, erteilt worden. Mitarbeiter Wilhelm B. habe den brisanten Stoff an Weinrich übergeben, damit dieser in der syrischen Botschaft -- "unter Verantwortung der Syrer" -- gelagert werden könne.Voigt sieht sich nicht als Täter, eher als Opfer.,, Arglistig" habe Weinrich damals das Mf S getäuscht, so der Angeklagte. Der Carlos-Vertraute habe erklärt, der Sprengstoff solle von der syrischen Botschaft aus nach Damaskus gebracht werden. Eine plausible Erklärung, findet Voigt."Den Anschlag werte ich heute als Panne , sagt er kühl. Voigt -- ein Geheimdienstler, der sich von Terroristen übers Ohr hauen ließ? Gericht, Staatsanwaltschaft und Nebenkläger werden dem Angeklagten am Freitag sicher noch einige unbeqeme Fragen stellen. Sigrid Averesch