WELZOW, im März. Das Feuer in der alten Tonne ist erloschen, müde stehen die Wachen am Werktor. In 20 Hallen wurden hier einst Betonmischanlagen für Rußland, Ägypten oder China hergestellt; jetzt ist es still auf dem Gelände der Baumaschinenfabrik in Welzow. Seit der Betrieb im Dezember in die Gesamtvollstreckung ging, halten die Arbeiter ihn symbolisch besetzt. Im Pförtnerhäuschen sitzt der Betriebsratsvorsitzende Hans Taska. Er sagt: "Die Stimmung ist mies, aber wir vertrauen auf Herrn Penz. Er bringt uns Aufträge, und das ist es doch, worauf es ankommt."In diesen Tagen soll die Entscheidung fallen, ob der Berliner Unternehmer Helmuth Penz diesen letzten bestehenden Industriebetrieb der Region um Senftenberg in der Lausitz übernimmt. "Er ist leider der einzige Investor, der Interesse zeigt", sagt Pressesprecher Stefan Senger vom Brandenburger Wirtschaftsministerium, das mit Penz über die Gründung einer Auffanggesellschaft verhandelt. Potsdam hat den Betrieb in den letzten Jahren mit zehn Millionen Mark gestützt. Das neue Sanierungskonzept sieht weitere sechs Millionen an Landeskrediten und -bürgschaften vor.Doch der Berliner Unternehmer ist nicht unumstritten. "Wir stehen Herrn Penz mit einem gewissen Mißtrauen gegenüber", sagt Siegfried Keiloweit von der Treuhand-Nachfolgerin BvS. Die BvS hat sich Ende Februar als Co-Investor verabschiedet und die Firma in bezug auf das Penz-Konzept für "nicht sanierungsfähig" erklärt. Für die Welzower Arbeiter aber ist Helmuth Penz der rettende Strohhalm obwohl sie gehört haben, daß er anderswo gravierende Probleme haben soll. Zum Beispiel in Frankfurt an der Oder. Auch dort protestieren Arbeiter gegen den Verlust ihrer Arbeitsplätze. Im Februar machte die Firma Hochbau Frankfurt/Oder GmbH dicht; Inhaber: Helmuth Penz. "Herr Penz hat uns 1994 viel versprochen", sagt der Chef des Hochbau-Betriebsrats, Michael Thieme. "Am Schluß hat sich das alles anders dargestellt."Helmuth Penz ist ein energischer Mann, der von sich sagt: "Ich gehe morgens um fünf in mein Büro und selten vor elf Uhr abends nach Hause." In den Zeitungen taucht der 52jährige vor allem als Sponsor von Henry Maske oder als Präsident des SC Magdeburg auf. Er erzählt gern, wie er 1970 "mit einem Schraubenzieher und 5 000 Mark" anfing, "Strippen zu ziehen". Seitdem hat er mit seiner Elektrofirma Eltec KG für alle Größen des Berliner Baugewerbes gearbeitet, heute läßt er auch in Warschau und Athen Kabel verlegen. Die "taz" verlieh ihm das Prädikat "bauskandalgehärtet", was Penz als "Unsinn" zurückweist.Mit den großen Westberliner Bauskandalen hatte er auch wirklich nichts zu tun, dafür mit dem bekannten Konkursritter Dietrich Garski, der 1980 Millionen in den Sand setzte und den Berliner Senat in eine Regierungskrise stürzte. Mit Garski verbinde ihn eine Freundschaft aus alten Tagen, erzählt Penz. "Herr Garski arbeitet als mein Berater, mehr nicht." Insider halten Penz allerdings für eine Art "Treuhänder" der verschwundenen Garski-Millionen, weil er mit Garskis Frau Claudia einige Firmen gemeinsam führt. Penz dementiert dies: "Wir haben uns zu einer Investorengemeinschaft zusammengeschlossen, und jeder Partner hat sein Geld eingebracht."Die Grundlage für seinen Aufstieg legte Penz 1986 mit seiner Sorat GmbH. Diese Firma betreibt in Berlin etwa 20 Wohnheime für Obdachlose und Asylbewerber, deren Unterhalt der Senat bezahlt und mit denen Penz einen Jahresumsatz von 40 Millionen Mark erzielt. Expansion nach der WendeZu den Heimen kamen bald bedeutend edlere Unterkünfte. Sorat betreibt inzwischen 15 Mittelklassehotels in ganz Deutschland. Nach der Wende begann Helmuth Penz mit der weiteren Expansion seiner Unternehmungen. In Wittenberg übernahm er neben dem Elektrobetrieb Elas 1992 auch die Maschinen- und Mühlenbau GmbH. Vor allem aber stieg der Unternehmer ins Bau- und Immobiliengeschäft ein, sein Eldorado hieß Frankfurt/Oder. Dort wirkte ab 1990 der Berliner CDU-Politiker Klaus Franke als Wirtschaftsdezernent. Franke vermittelte Penz einen 20jährigen Pachtvertrag für das Erholungsgebiet Helenesee zum Schnäppchenpreis. Von der Berliner Klingbeil-Gruppe kaufte Penz 1994 ein riesiges Grundstück mitten in der City, um dort für 160 Millionen Mark die "Lennépassage" mit Hotel und Einkaufszentrum zu bauen. Ein Jahr später erwarb er auch den Frankfurter Hafen mit attraktiven Grundstücken und auch den Hafen auf der polnischen Seite, in Slubice. Stolz bezeichnet er sich selbst als den "größten Investor" der Stadt.Sein größter Coup aber war 1994 der Erwerb der Magdeburger Hochbau AG (MHB) von der Treuhandanstalt, wo Penz seither 62 Prozent der Anteile hält. "Ich habe mir vorgenommen", verkündete er damals, "einen Baukonzern rund um Berlin von Sachsen-Anhalt bis Ostbrandenburg in den Markt zu bringen." Plötzlich gebot Penz über ein Bau-Imperium mit über 4 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund einer Milliarde Mark. Bald dirigierte er ein Netz von 120 Firmen unter dem Dach der MHB-Holding: Bauträger, Projektentwickler, Kies-, Beton- und Sägewerke. Auch in Polen besitzt Helmuth Penz Betonwerke und Baustoffirmen. Dort errichtete er etwa 100 Supermärkte. Den rasanten Aufstieg belohnte die "Arbeitsgemeinschaft selbständiger Unternehmer", indem sie Penz 1994 zum "Unternehmer des Jahres" kürte. Mit über 300 Millionen Mark wurde er als größter privater Investor in Ostdeutschland gefeiert. Da war der Selfmademan und passionierte Bergsteiger auf der Höhe seiner Laufbahn angelangt. Doch Skeptiker warnten, Penz müsse sein Imperium dringend konsolidieren.Der Mann, der heute Welzow retten soll, wurde schon einmal als Retter begrüßt. Als Penz die Magdeburger Hochbau erwarb, rundete er den Kauf mit Baufirmen in Frankfurt/Oder, Eberswalde, Eisenhüttenstadt und Schwedt ab. Dafür gab er Arbeitsplatzgarantien für rund 1 400 Beschäftigte ab. "Wir haben große Hoffnungen in Herrn Penz gesetzt", sagt Betriebsrat Michael Thieme von der Frankfurter Hochbau GmbH.Doch seit 1996 geht es bergab in Ostbrandenburg. Zu Beginn dieses Jahres häuften sich die Konkurse; drei der vier Firmen sind am Ende. Nur in Eberswalde läuft der Baubetrieb noch. "Die Arbeitsplätze wurden auf brutale Art vernichtet", sagt Betriebsrat Thieme. Auch in Magdeburg gärt es. Die Penz-Firma Mabat GmbH mit 98 Mitarbeitern ist seit April 1997 stillgelegt, bald sollen weitere MHB-Betriebe verkauft oder geschlossen werden, "um den Konzern zu stabilisieren", so ein Aufsichtsratsmitglied. Im Februar demonstrierten 300 Arbeiter vor der Magdeburger Konzernzentrale und forderten die Einhaltung der Sozialpläne. Von einst 4 000 MHB-Mitarbeitern sind nur etwa 2 500 übrig."Penz hat sich möglicherweise übernommen", vermutet der Magdeburger IG-BAU-Gewerkschafter Christian Beck. Er weiß natürlich, daß es vor allem die extrem gesunkene Baunachfrage und der Zustrom von Billiglohnarbeitern sind, die dem Konzern zu schaffen machen; immerhin zahlt Penz Tariflohn. "Es waren Anpassungen notwendig, da können sich die Leute auf den Kopf stellen", sagt Helmuth Penz. Und Ludger Hellenthal vom MHB-Vorstand bestätigt: "Wir können keine Verlustbringer subventionieren." Insgesamt sei der Konzern aber "sehr gesund".Ein UntersuchungsausschußIn Frankfurt/Oder jedoch werden seine Schwierigkeiten deutlich. Das Vorzeigeobjekt Lennépassage heißt im Volksmund "Penzloch". Vor wenigen Tagen wurde bekannt, daß Penz die Baugrube an den Berliner Unternehmer Dietmar Otremba verkaufen will. Am Frankfurter Hafen will er rund ein Viertel der Fläche an Otremba und die Berliner Dr.-Marx-Gruppe veräußern; die restlichen Grundstücke soll die Stadt übernehmen. Ein Untersuchungsausschuß des Frankfurter Stadtrats soll nun alle "vertraglichen Beziehungen" zwischen der Stadt und dem Unternehmer durchleuchten. Für den Helenesee soll Penz der Stadt die Pacht in sechsstelliger Millionenhöhe schulden, hieß es in diesem Ausschuß."Der Ruf von Herrn Penz hat sehr gelitten", sagt der städtische Wirtschaftsdezernent Peter Edelmann. Die Frankfurter Betriebsräte vermuten, daß es Penz inzwischen "nur noch um die Immobilien geht", so Michael Thieme. Mit allen Baufirmen sei ein beträchtliches Grundvermögen verbunden. Thieme: "Wir haben auch den Verdacht, daß der Hochbau-Konkurs verschleppt wurde, um noch Sachen zu veräußern." Genau deshalb ermittelt in Frankfurt inzwischen die Staatsanwaltschaft.In Welzow gehört ebenfalls ein großes Grundstück zum Verkaufsobjekt: 23 Hektar, voll erschlossen und als Gewerbegebiet vorgesehen. Dort tritt Penz inzwischen als privater Investor auf, nachdem sich seine Magdeburger Hochbau AG im Oktober 1997 ebenso aus den Verhandlungen zurückzog wie die als Partner vorgesehene Firma Lichtner Beton aus Berlin. Ein Lichtner-Sprecher erklärt: "Das Geschäft rechnete sich einfach nicht, und wir sammeln keine Immobilien."Helmuth Penz wollte sich zu Details nicht äußern. "Ich habe einen Deal vorgeschlagen; entweder steht das Ministerium dazu oder nicht", sagte er der "Berliner Zeitung". Was jedoch bislang aus den Verhandlungen mit dem Investor nach außen drang, klingt mager. Gerade 33 der noch vorhandenen 74 Welzower Arbeitsplätze will Penz garantieren, und auch dies nur für drei Jahre. Die Arbeiter in Welzow haben indessen keine Wahl. "Wenn Penz nicht kommt, ist hier Schluß", sagt Betriebsrat Hans Taska. "33 Arbeitsplätze sind schließlich besser als gar nichts." Und zahlen wird wohl am Schluß die Landesregierung.