Radio B Zwei und die Berliner Zeitung wollen einen Currywurst-Führer für Berlin erstellen. Er wird voraussichtlich im März im be.bra. verlag erscheinen. Rund 300 Leser nannten uns bisher ihre Lieblingswurstbuden. Alle, die bis zum 11. Februar den Coupon einsenden, nehmen an dem Preisausschreiben teil."Hallo, hallo. Hier ist Herta Heuwer, die Erfinderin der Currywurst." So stellt sich die 82jährige gern vor. Herta Heuwer setzt sich in Positur, so, daß ihre großen, rosa Ohrringe aufhören zu baumeln. Eigentlich ist sie ein Promi. "Ich hätte nicht fremdgehen dürfen", sagt sie, "ich war bekannt wie ein bunter Hund."Auch die Medien reißen sich um die Dame: Thomas Gottschalk hat sie eingeladen. Gerd Rüdiger von Radio B Zwei sprach mit ihr in seiner Sendung Talk-Time. Im Fernsehen bei Moderator Harald Schmidt war sie auch schon. Der hat ihr eine Urkunde ausgestellt, auf der steht: "Geheimnisträger 1. Klasse". Jetzt hängt die Urkunde in ihrem Wohnzimmer. Neben dem Zertifikat von 1959. Damals ließ sie sich das Currywurst-Rezept patentieren. "Eine Bekannte hat sich ja auch ihre Lockenwickler patentieren lassen", erklärt sie resolut.Eigentlich hätte sie die Klopse erfinden müssen. Denn Herta Heuwer stammt aus Königsberg. Erfunden hat sie aber die Currywurst, pardon, die Chillup-Soße schon zehn Jahre vorher: am 4. September 1949. Damals war sie selbst noch ein "armes Würstchen". Sie hatte einen Imbiß an der Kaiser-Friedrich/Ecke Kantstraße. Und wenig Kundschaft, die sich für ihre Kartoffelpuffer und Fischwürste interessierte. Vielleicht lag es am Wetter. Denn es regnete "Kindsköppe", so die Erfinderin. Jedenfalls habe es in ihrem kleinen "Köpfchen gefunkt". In einem 250-Liter-Kübel hat sie Tomatenmark und so zehn bis zwölf Gewürze zusammengerührt, immer wieder den Löffel reingehalten, abgeschmeckt und dabei alles genau aufgeschrieben.Das Rezept ist bis heute geheim. Keinem hat sie es verraten, nicht mal ihrem Ehemann Kurt. "Nee, der Mann hat das von mir nicht gekriegt", sagt Herta Heuwer. "Kurt hat nur die Büchsen aufgemacht. Die Currywurst war ein Riesenerfolg. "Oft kopiert und nie erreicht", stand über ihrer Braterei, wo die Würste im Darm für 60 Pfennig weggingen. Ihre Gäste waren so wild auf die gerötete Wurst, daß sie sich sogar gestritten haben sollen, wer die Bratpfanne saubermachen durfte. Auch heute noch - obwohl sie sich fast zwanzig Jahre aus dem Geschäft zurückgezogen hat - bekommt sie Besuch von ihren Kunden, Pralinen und selbstgebackene Kekse.Wenn sie über ihre Erfindung spricht, geht das Temperament mit ihr durch. "Die Würste müssen stehen beim Braten, die dürfen nicht platzen", erklärt sie und schwingt dabei die Faust. Ihre Soßenkreation war einzigartig. Heute eine Currywurst an irgendeiner Bude zu essen, fiele ihre erst gar nicht ein. Wenn sie Currywurstscheiben betrachtet, die in roter Ketchuptunke ertrinken, rümpft sie mißbilligend die Nase. "Die heutige Jugend kennt nichts anderes als Ketchup", empört sie sich. "Himmelsakramento! Ich habe nie Ketchup benutzt!" An Angeboten, ihre Erfindung vermarkten zu lassen, hat es nicht gefehlt. Selbst Soßen-König Knorr zeigte Interesse. Aber sie hätte damals ihre Wurstbude und das Schwätzchen mit den Kunden gegen nichts eingetauscht. Deshalb ist sie nicht reich geworden. Wenn sie darüber nachdenkt, sagt sie: "Du warst doch dämlich Herta, würde man heute sagen." +++