BERLIN. Das Podium im Medienraum von Hertha BSC reichte beinahe nicht aus. Am Montagabend kurz nach 18 Uhr, also nur sechs Stunden vor Schließung der Transferliste, drängten sich neben Manager Michael Preetz und Trainer Lucien Favre gleich drei Neuzugänge. Neben dem kolumbianischen Mittelstürmer Adrian Ramos, 23, hockten überraschend auch der Dortmunder Mittelfeldmann Florian Kringe, 27, und der Brasilianer Clederson Cesar de Souza, 30, auf dem Podium, posierten für die Meute der Fotografen und gaben hernach Nettigkeiten über ihren neuen Arbeitgeber von sich.Hertha BSC hatte die Luftbrücke nach Südamerika wieder einmal aktiviert, denn mit Cesar kommt seit Januar 2000 bereits der 13. Brasilianer in der Geschichte von Hertha zum Klub. Er ist ablösefrei. Ramos dagegen ist der erste Kolumbianer im Trikot der Berliner, er bekommt "als Mittelstürmer, der dorthin geht, wo es weh tut", so Favre, natürlich die Rückennummer 9. Mit der Verpflichtung des Trios, eigentlich einer geballten Offensive, korrigierte Herthas sportliche Führung die ursprüngliche Kaderplanung, reagierte auf die unbefriedigende sportliche Situation in der Liga und auch auf das Erreichen der Gruppenphase der Europa League, wo bis Ende Dezember sechs Spiele gegen Konkurrenten aus Portugal, Holland und Lettland zu bestreiten sind.Meister unter FavreRamos, der Mann von América de Cali, unterschrieb einen Vierjahres-Vertrag bis 2013 und soll rund 1,4 Millionen Euro Ablöse gekostet haben. Cesar bekam einen Kontrakt bis Saisonende mit einer zweimaligen Option auf Verlängerung. Der vielseitige Mittelfeldspieler wurde unter Favre beim FC Zürich zweimal Schweizer Meister, verdiente aber seit 2007 in Dubai beim Al Ahli-Club sein Geld. Florian Kringe, der noch bei Borussia Dortmund bis 2012 unter Vertrag steht, ist bis Saisonende ausgeliehen worden. Kringe bringt die Erfahrung von 179 Bundesligaspielen mit nach Berlin, war zuletzt bei Trainer Jürgen Klopp in Ungnade gefallen und bekam am Montag von der Borussia die Freigabe für ein Ausleihgeschäft zu Hertha BSC.Manager Michael Preetz wies den leisen Vorwurf, die drei neuen Profis seien sogenannte Last-minute-Transfers, was vielleicht einen negativen Beigeschmack haben könnte, zurück. "Wir haben es nicht darauf angelegt, erst unmittelbar vor Transferschluss Vollzug melden zu können", sagte Preetz, "aber die Umstände waren nicht anders." Außerdem, so der Manager, "mussten wir ganz genau überlegen, wie wir unsere geringen finanziellen Mittel anlegen."Das trifft natürlich zu, aber Preetz und Favre glaubten natürlich vor Saisonstart etwa daran, dass Angreifer Artur Wichniarek in Berlin schneller Fuß fassen und vor allem Tore schießen würde. Beides ist noch nicht geschehen. Zudem spielen einige Stammkräfte, die in der Vorsaison oft glänzen konnten, bislang unter Form, was den Fehlstart in der Bundesliga mit zuletzt drei Niederlagen in Folge beförderte. Der Brasilianer Cícero und auch Maximilian Nicu gehören in diese Kategorie. Auch die zahlreichen jungen Spieler, die Lucien Favre immer wieder aus dem eigenen Nachwuchs zu den Profis befördert, konnten noch nicht helfen.Deshalb war das Management noch einmal zum Handeln auf dem Spielermarkt gezwungen. Die neuen Profis kamen aber auch deshalb so spät, weil Favre gerade bei Transfers äußerst zögerlich ist und Michael Preetz meist dessen Ideen folgt. So kam es zu hektischer Betriebsamkeit. Favre wischte Bedenken, die beiden Südamerikaner könnten eine zu lange Integrationszeit benötigen, beiseite: "Ramos ist fit, wir haben ihn oft beobachtet. Nur Cesar ist noch im Rückstand, aber er wird uns auch bald helfen können." Und Preetz ist sich sicher: "Die Neuen werden uns in der laufenden Saison besser machen." Das ist auch der Sinn solcher Transfers.------------------------------Foto : Drei Neue für Hertha BSC: Adrian Ramos aus Kolumbien, Florian Kringe aus Dortmund und Clederson Cesar, zuletzt in Dubai am Ball (v. l.).

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