BERLIN. Brasilianer, das scheint angesichts von fünf Weltmeistertiteln klar zu sein, wird die Fußballkunst offenbar in die Wiege gelegt. Deshalb sind sie Jahre später auch so begehrt. Bundesligist Hertha BSC beschäftigt allein vier Brasilianer, von denen Gilberto (31) und Mineiro (32) sogar Stammspieler in der Nationalmannschaft sind, was die Planungen der Berliner ab und an über den Haufen wirft - so wie vor dem Spiel am Freitagabend beim Karlsruher SC (20.30 Uhr). Für einen Brasilianer gibt es nichts Größeres, als in der Nationalelf zu spielen; verzichten auf Einsätze im fernen Südamerika will niemand, der in die Seleção berufen wird. Gilberto und Mineiro machen da keine Ausnahme, was ihren Arbeitgeber in Berlin häufiger in die Bredouille bringt.Fast vierzehn Tage hielten sich die beiden in der Heimat wegen der beiden WM-Qualifikationsspiele gegen Peru (1:1) und Uruguay (2:1) auf. Die Reise nach Rio de Janeiro hielt diesmal noch eine Besonderheit bereit. Die Verantwortlichen der Nationalmannschaft wollten die außergewöhnliche Begabung ihrer Spieler nun auch dokumentieren.Und so gab es vor wenigen Tagen in Teresopolis, dem ständigen Trainingsquartier der Männer von Nationaltrainer Carlos Dunga, einen Fototermin. Das neue Mannschaftsfoto, das anschließend um die Welt ging, zeigte die Ronaldinho und Kaka im neu gestylten Trikot: kanariengelbe Hemden mit grünem Kragen und blaue Hosen. Das Besondere: in gelben Buchstaben sind im Kragen die Worte "nascido para jogar futebol" eingenäht. Das heißt soviel wie "geboren zum Fußballspielen." Auch Gilberto und Mineiro posierten in der Kluft. Beide stehen aber schon wegen ihrer Positionen im Team, links in der Abwehrkette und unmittelbar vor der Abwehr, oft etwas im Schatten von Ronaldinho & Co. Der Brasilianer liebt nun mal vor allem seine Stürmer. Beide Hertha-Profis sind aber unter Trainer Dunga zu Stammkräften in der Nationalelf aufgestiegen, beide versehen ihren wichtigen Job eher unauffällig. Der Leitsatz, eingenäht im Kragen, gilt aber auch für sie, die immer wieder gern die enormen Strapazen auf sich nehmen, die mit Länderspielen verbunden sind.Am zurückliegenden Sonntag spielten sie 90 Minuten beim 1:1 der Brasilianer in Lima gegen Peru, in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag setzte sie Dunga erneut über die volle Spielzeit beim knappen 2:1 gegen Uruguay in São Paulo ein. Gegen 3 Uhr deutscher Zeit war der Auftritt im Morumbi-Stadion zu Ende, danach wartete ein etwa 15-stündiger Flug nach Frankfurt/Main auf die beiden Hertha-Akteure. Geplante Ankunft: Freitagmittag. An ihren Einsatz beim Bundesligaspiel am Abend in Karlsruhe ist nicht zu denken. Herthas Manager Dieter Hoeneß, der den Spieler Dunga Anfang der 90er Jahre zum VfB Stuttgart geholt hatte, versuchte vergeblich bei diesem und dessen Assistenten Jorginho zu intervenieren. Auch zu Kurzeinsätzen der beiden Profis war das Trainergespann nicht bereit.Hertha-Coach Lucien Favre ist das Risiko eines Einsatzes nun viel zu groß. Er wird die beiden nicht einmal auf die Ersatzbank setzen. So muss er gezwungenermaßen experimentieren. Hoeneß sagt: "Wir können auch ohne die Stammspieler etwas reißen." Favre kennt Gegner Karlsruhe lediglich von DVD's. Vielleicht haben sie ihm als Gag auch einen Ausschnitt vom letzten Hertha-Auftritt in Karlsruhe vorgespielt. Das ist lange her. Im April 1998 siegten die Berliner 2:0. Stürmer Michael Preetz gelang ein wunderschönes Tor mit der linken Hacke. Er wurde danach überschwänglich Preetzinho getauft. Was beweist: Hertha besaß schon lange Affinität zu Brasilianern.------------------------------"Eine Spielvorbereitung im Flugzeug für die Brasilianer macht keinen Sinn." Dieter Hoeneß

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