BERLIN. Probleme hat Dick van Burik schon länger. Der 33-jährige Niederländer leidet unter einer verletzungsanfälligen Muskulatur. Der stämmige Innenverteidiger, der im Sommer 1997 für 900 000 Mark Ablöse vom NAC Breda zu Hertha BSC gekommen war, fiel immer wieder mit Muskelfaserrissen aus. Trotzdem kam der spielintelligente Abwehrmann mit viel Verständnis für taktische Dinge auf 245 Bundesligaspiele - in der Klubgeschichte können nur drei Herthaner mehr Einsätze aufweisen.Doch nun ist die Ära van Burik abrupt beendet worden. Der stellvertretende Kapitän, der seit Jahren dem Mannschaftsrat angehörte, muss den Klub verlassen. Nach einem 45 Minuten langen Gespräch mit Manager Dieter Hoeneß, dem Leiter der Lizenzspielerabteilung Michael Preetz und Klubanwalt Jochen Sauer verließ van Burik am Donnerstag mit bösem Gesichtsausdruck die Geschäftsstelle - das Handy am Ohr. Wortlos ging er an den Reportern vorbei und brauste mit seiner Limousine davon.Unverschämte ForderungenHertha informierte hernach, der Profi habe sich etwas Bedenkzeit erbeten, wolle sich mit seiner Familie beraten. Offenbar hatte ihm Hoeneß die Trennung mit einer Abfindung vorgeschlagen. Um 16.10 Uhr teilte Hertha BSC dann in einer Presseerklärung mit, "dass verschiedene Gründe dafür sprechen, den bis zum 30. Juni 2008 laufenden Vertrag aufzulösen. Dabei sind beide Seiten an einer einvernehmlichen Lösung interessiert." Gleichwohl sei bislang noch keine Einigung über die Abfindung erzielt worden. Bis dahin werde van Burik nicht mehr am Training teilnehmen. Hertha BSC begründete die Entscheidung mit der "bekannten Konstellation Karel van Burik/Dick van Burik und den daraus resultierenden Problemstellungen". Trainer Lucien Favre soll diese Meinung uneingeschränkt geteilt haben.Die Geschichte ist nur schwer durchschaubar. Van Burik galt neben den jeweiligen Trainern als wichtiger Ansprechpartner für die zahlreichen jungen Talente des Vereins. Der Holländer gab ihnen wichtige Hinweise, was ihr Verhalten betrifft, und half einigen über erste sportliche Krisen hinweg. Und auch beim Verein sah man van Buriks Wirken durchaus mit Wohlwollen.Doch die schöne Geschichte nahm zuletzt eine dramatische Wendung. Karel van Burik, sein Vater, arbeitet seit Jahren als Spielerberater mit Fifa-Lizenz, vor allem auf dem holländischen Markt. Seine wichtigsten Klienten aber spielen inzwischen bei Hertha BSC. So lange Vater Karel nur seinen Sohn bei Hertha vertrat, galt dies als normale Angelegenheit. Doch in den letzten Jahren warb er dem Berliner Spielerberater Jörg Neubauer gleich drei Jungprofis ab, die bei Hertha ausgebildet wurden: Sofian Chahed (24), Kevin-Prince Boateng (20) und dessen Bruder Jerome (18). Zudem vertritt van Burik die Talente Manuel Schmiedebach (18) und Demircan Dikmen (19), die beide bei den Amateuren eine gute Rolle spielen.Die Hausmacht des Beraters Karel van Burik konnte Herthas Führung nicht verhindern. Eine derartige Konzentration bei einem Berater gilt keineswegs als Einzelfall. Aber nun wurde das Fass zum Überlaufen gebracht - weil einige van-Burik-Klienten teils unverschämte Gehaltsforderungen stellen.So soll Kevin-Prince Boateng trotz eines bis 2009 laufenden Vertrages in Berlin schon europaweit angeboten worden sein. Jerome Boateng forderte kürzlich gemeinsam mit seinem Berater einen neuen Fünfjahresvertrag mit einem finanziellen Volumen von sieben Millionen Euro. Dabei hat der 18-Jährige gerade einmal zehn Bundesligaspiele aufzuweisen. Der Spieler Dick van Burik soll insofern beteiligt gewesen sein, als er den Klienten seines Vaters Ratschläge erteilt, die Hertha schaden. Solche Vorwürfe sind nur schwer nachweisbar. Trotzdem verdächtigt der Klub den Profi, den Wechselwunsch von Jerome Boateng befördert zu haben. Der hat Hertha schriftlich mitgeteilt, dass er seinen bis 2008 gültigen Vertrag nicht verlängert.Eher unfreiwillig endet nun van Buriks Kontrakt. Er bezeichnete Berlin bislang als seinen Lebensmittelpunkt. Zumal es Ideen gab, ihn später weiter bei Hertha zu beschäftigen - das ist nun Makulatur.------------------------------Foto: Unterschiedliche Interessen: Dick van Burik, Jerome Boateng und Herthas neuer Trainer Lucien Favre (v. l.).

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