BERLIN. Stanislaw Tschertschessow war zufrieden. Der Cheftrainer von Spartak Moskau lobte seinen deutschen Profi, den ersten in der russischen Liga überhaupt: "Malik Fathi hat seine Aufgabe gut gelöst. Er hat gezeigt, was er in Berlin gelernt hat, und er hat viel gelernt." Abwehrmann Fathi, erst vorige Woche von Hertha BSC zum russischen Rekordmeister gewechselt, hatte bei seinem Debüt, einem 0:0 beim Champion Zenit St. Petersburg, überzeugt. Vier Millionen Euro war Spartak die Verpflichtung des zweimaligen Nationalspielers wert gewesen, eine Summe, bei der Hertha BSC die Zusage für den Wechsel nicht verweigern konnte und wollte. Insgesamt stehen Manager Dieter Hoeneß für die kommende Transferperiode rund neun Millionen Euro zur Verfügung, der üppige Erlös für Fathi inklusive.Soviel finanzielle Bewegungsfreiheit gab es für Hertha BSC vor einer neuen Spielzeit schon lange nicht mehr. Gründe für die vorteilhafte Situation gibt es einige, vor allem wurden die Verträge mit drei Berliner Banken zum Schuldenabbau strikt eingehalten. Auch die 25 Millionen Euro, die der Klub für die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Vermarkter Sportfive bekam, erweiterten entscheidend den wirtschaftlichen Spielraum.Der Totalumbruch bei Hertha unter Trainer Lucien Favre wird weiter gehen und kann nun solide finanziell untersetzt werden. Beim Wechsel des Linksverteidigers Malik Fathi hatte Favre ausdrücklich kein Veto eingelegt. Im Gegenteil: Als Hoeneß kurz vor dem Transfer eine Klub-Option zog und den Vertrag mit Fathi bis 2009 verlängerte (was im Nachhinein die hohe Ablöse erst ermöglichte), geschah dies ohne den Willen des Trainers. Der bemängelte intern die Offensivqualitäten des Abwehrmannes und plante nicht mehr langfristig mit ihm. Bei Hertha kann sich keiner seines Platzes sicher sein.Im Sommer werden weitere Profis auf Fathi folgen und Hertha BSC verlassen. Hoeneß wird die Option für den Schweden Tobias Grahn nicht ziehen, auch der Brasilianer Mineiro und Angreifer Chinedu Ede haben ihre Wechselüberlegungen schon öffentlich gemacht. Dafür kommt neues Personal, das besser in die Vorstellungen des Trainers vom modernen, intelligenten Fußball passt. In der nächsten Spielzeit sollen schließlich wieder die Uefa-Cup-Plätze erreicht werden.Wenn am Ostersonntag der FC Schalke 04 zum Spiel nach Berlin kommt (Olympiastadion, Anstoß 17 Uhr), geht es für Hertha BSC vor allem darum, den Zuschauern attraktiven Fußball zu zeigen und sich weiter Richtung oberes Mittelfeld zu bewegen. Trotz der beachtlichen Serie von schon sechs Spielen in Folge ohne Niederlage mit drei Siegen und drei Remis kommt die Mannschaft in der Tabelle nur mühsam voran. Das offizielle Saisonziel, ein einstelliger Tabellenplatz, ist aber immer in Reichweite. "Wir wollen Werbung in eigener Sache machen. Und das gegen einen starken Gegner", fordert Hoeneß. Und Trainer Lucien Favre sagt: "Wir wollen unsere Serie ausbauen. Um zu siegen, müssen wir mehr als zuletzt nach vorne spielen und im richtigen Moment in der Strafraum gehen."Marko Pantelic, mit elf Toren Herthas bester Schütze, wird bei diesem Vorhaben fehlen. Seine hartnäckige Wadenverletzung lässt einen Einsatz nicht zu. Beim jüngsten 0:0 in Rostock betrieben die beiden Angreifer Solomon Okoronkwo (4 Saisontore) und André Lima (1 Treffer) Jobsharing. Jeder durfte eine Halbzeit Pantelic vertreten - allerdings mit wenig Erfolg.Neue Kräfte für den AngriffFavre wollte nicht verraten, wem er den Vorzug geben wird, sagte lediglich, dass Lima gut trainiert habe. Der bis Saisonende ausgeliehene bulgarische Stürmer Waleri Domowtschiski, bislang Torjäger bei Lewski Sofia, ist noch immer nicht einsatzfähig und wird nur noch wenige Gelegenheiten haben, seine Qualitäten zu zeigen.Sicher ist nur, dass in der neuen Saison weitere Offensivkräfte nach Berlin kommen werden. Der Tunesier Mohammed Chermiti (20/Etoile du Sahel) gilt als Favorit, beim FC Zürich aber harmonierte Favres Lieblingsspieler Raffael, der bis 2012 an Hertha BSC gebunden ist, gut mit dem Angreifer Alexandre Alphonse (25). Den in Guadeloupe geborenen Offensiv-Allrounder holte Favre einst wie auch Raffael aus der zweiten Liga, von La Chaux-de-Fonds, nach Zürich.------------------------------"Um zu siegen, müssen wir mehr als zuletzt nach vorne spielen." Lucien Favre------------------------------Foto: Trainers Liebling trabt: Herthas Angreifer Raffael (l.) macht sich mit André Lima auf den Weg in den gegnerischen Strafraum.