STEGERSBACH. Eine Frage muss sich Michael Preetz im Trainingslager jeden Tag gefallen lassen: Wer kommt noch als Verstärkung nach Berlin? Herthas neuer Geschäftsführer Sport setzt dann sein Pokergesicht auf, lächelt ein wenig, macht eine Kunstpause und wartet gern auf die nächsten Fragen. Preetz antwortet schließlich nüchtern und sachlich: "Wir halten weiter Ausschau nach sinnvollen und machbaren Verstärkungen."Die Betonung liegt auf machbar, denn Hertha BSC hat nur geringe finanzielle Mittel zur Verfügung, die auf dem Transfermarkt einzusetzen sind. Warum ist das so? Das fragen sich zahlreiche Anhänger. Die Mannschaft hat doch in der Vorsaison einen stattlichen vierten Platz belegt, deshalb ordentlich Fernsehgeld verdient, und auch der Zuschauerschnitt von über 52 000 bei den Heimspielen lag deutlich über dem kalkulierten Wert und hat dem Klub deshalb rund eine Millionen Euro an Zusatzeinnahmen beschert, wie Ingo Schiller, der Geschäftsführer Finanzen, bestätigt.Schiller rechnet aber dagegen: "Wir haben durch die gute Platzierung viel mehr Prämien an Spieler und Trainer zahlen müssen als ursprünglich geplant, beinahe doppelt so viel." Natürlich zahlte der Klub dieses Geld gern, aber es handelt sich schon um eine üppige Summe. Zudem, so Schiller, "wurden in der Winterpause mit Marko Babic und Leandro Cufré noch zwei Spieler verpflichtet". Das war nicht geplant, beide haben Berlin inzwischen wieder verlassen.Die Hauptpunkte allerdings, die Herthas Spielraum bei Neuverpflichtungen so einschränken, liegen laut Finanzchef Schiller im Fernsehvertrag begründet und in der allgemeinen Wirtschaftskrise, deren Auswirkungen Hertha vor allem im Sponsoring zu spüren bekommt. "Die Gelder vom Fernsehen für die Bundesliga liegen in der neuen Saison deutlich niedriger, sinken von einst 420 Millionen Euro auf 385 Millionen." Und auch im Sponsoring sind die Konditionen in vielen Fällen weniger attraktiv geworden, "vor allem aber leistungsabhängiger", so Schiller. Das gilt auch für den wichtigen Kontrakt mit Hauptsponsor Deutsche Bahn.Eine einfache FormelHertha BSC hat sich zudem selbst auferlegt, einen Transferüberschuss von fünf Millionen Euro zu erwirtschaften. "Das ist keine Auflage etwa durch die DFL", sagt Schiller, "das haben wir uns selbst als Ziel gesetzt, um ein ausgeglichenes Ergebnis zu erhalten."Hertha BSC drücken gegenwärtig zudem rund 33 Millionen Verbindlichkeiten und es wird natürlich auf längere Sicht angestrebt, diese Summe weiter zu senken. Der Klub pflegt sehr langjährige Partnerschaften und besitzt einige langfristige Verträge - vor allem mit Vermarkter Sportfive. Als sich Hertha im Januar 2008 sogar bis 2018 an den Rechtevermarkter aus Hamburg band, war das damals eine lukrative und verlockende Angelegenheit, weil Sportfive ein Signing fee in Höhe von 25 Millionen Euro zahlte. 15 Millionen davon wurden in den Schuldenabbau gesteckt, zehn Millionen in die Mannschaft investiert, etwa für die Verpflichtungen von Raffael (4,3 Millionen Ablöse), Gojko Kacar (3,0), Amine Chermiti (2,2) und Maximilian Nicu (300 000). Der Nachteil dieser Verbindung: Sportfive profitiert an den TV-Geldern und bekäme sogar rund 20 Prozent des Fernsehgeldes, sollte Hertha zwischen 2014 (ursprüngliche Vertragsdauer) und 2018 in die Champions League gelangen.Um größeren Spielraum auf dem Transfermarkt zu bekommen, müssen Zusatzerlöse erzielt werden. Das ist etwa im DFB-Pokal möglich (im Etat sind zwei Runden eingeplant), aber vor allem beim Erreichen der Gruppenphase in der neuen Europa League, dem ehemaligen Uefa-Pokal. "Dann bekämen wir drei Heimspiele, bei denen garantiert attraktive Gegner dabei sind", mutmaßt Finanzchef Schiller. Für Hertha gilt also eine einfache Formel: Um die Mannschaft in Zukunft weiter verstärken zu können, muss vor allem das derzeitige Personal zuerst einmal erfolgreich sein. Fakt ist: Das durchaus mögliche Erreichen der Champions League im Mai 2009 hätte Michael Preetz die Arbeit wesentlich erleichtert.------------------------------Favre verhandeltPokerrunde: Der Schweizer Christoph Graf, Berater von Trainer Lucien Favre, ist in Stegersbach eingetroffen. Es wird zu Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung von Favre kommen. Dessen erst im Januar bis 2011 verlängerter Kontrakt soll bis 2013 ausgeweitet werden.------------------------------Foto: Ein lichtempfindlicher Eidgenosse

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