Herr Szymanek, haben Sie schon einen Anruf von Lucien Favre bekommen?Nein, wieso denn?Am Sonnabend empfängt Hertha BSC den FC Bayern und Sie sind dafür prädestiniert, dem Hertha-Trainer Auskunft zu geben, wie man Tore gegen die Bayern schießt.Ach so, das stimmt. Dafür bin ich schon der richtige Ansprechpartner, auch wenn es lange her ist. Als Hertha-Profi habe ich früher die großen Bayern ganz schön geärgert.Erzählen Sie!Im Juni 1976 gab es das berühmte Spiel zwischen Bayern und Hertha am letzten Spieltag der Saison. Es ging für beide Mannschaften nicht mehr um sehr viel, Bayern war Tabellendritter, Hertha stand auf Platz elf. Und so kam es zu einem offenen Schlagabtausch, die Zuschauer jubelten und kamen aus dem Staunen kaum noch heraus.Es wurde dann das torreichste Spiel in der Bundesliga-Historie von Hertha BSC.Ja. Wir verloren sage und schreibe mit 4:7. In der Halbzeit lagen wir mit 0:6 zurück. Wir hockten zuerst verzweifelt in der Kabine und sagten uns dann aber: So dürfen wir uns nicht abschlachten lassen.Und dann kam Ihre große Zeit?Das war sensationell für mich als junger Spieler mit 22 Jahren. Ich habe dem Sepp Maier, der ja auch Nationaltorhüter und Weltmeister war, drei Tore eingeschenkt. Das Verrückte dabei war, dass mir das innerhalb von nur sieben Minuten gelungen ist. Das war schon irre.Beschreiben Sie doch einmal diese Treffer!Das waren alles typische Stürmertore. Ich stand immer im Fünf-Meter-Raum, habe schnell reagiert und die Dinger eben reingemacht. Ich glaube, alle mit dem rechten Fuß. Die Tore fielen in der 82., der 87. und der 89. Minute. Zwischendurch traf mal wieder der Gert Müller zum 7:2. Meine Tore passierten alle auf der Seite, wo im alten Münchner Olympiastadion die große Anzeigetafel stand. Da konnte ich dann meinen Namen gleich dreimal groß lesen.Wie hat damals Sepp Maier reagiert? Der kannte womöglich nicht einmal Ihren Namen?Der war anschließend fassungslos. Da kommt so ein junger Profi daher und haut ihm, dem großen Maier Sepp, gleich drei Dinger rein. Später hat unser Erich Beer, der mit Maier in der Nationalmannschaft spielte, erzählt, dass die Kollegen den Sepp nach dem 7:4 oft aufgezogen und geärgert haben. So unter dem Motto: Du hälst ja gar keinen Ball mehr. Aber das mit Maier und mir ging ja noch weiter.Hat er Sie später zur Brust genommen?Nein. Aber schon im September 1976, in der neuen Saison, trafen wir zu Hause wieder auf die Bayern. 60 000 Zuschauer kamen ins Olympiastadion. Die Bayern führten durch Uli Hoeneß lange mit 1:0. Und dann gab Schiedsrichter Walter Eschweiler vier Minuten vor Schluss einen umstrittenen Elfmeter für uns. Ich schnappte mir den Ball und es gab ein Geplänkel zwischen mir und Maier. Den Elfer habe ich locker verwandelt und die Bayern waren damals stinksauer.Wieso haben Sie so oft gegen die Bayern getroffen?Ich bin kein Statistiker, aber ich glaube, ich bin derjenige Hertha-Spieler, der die meisten Tore gegen Bayern gemacht hat. Gegen München zu spielen, damals mit Beckenbauer, Hoeneß, Maier, Schwarzenbeck, das war eben etwas ganz Großes. Ich bin noch mehr gerannt als sonst.Und was sagen Sie nun Lucien Favre, falls er doch noch anruft? Wie schießt man Tore gegen Bayern?Ich glaube, der Schweizer Trainer muss seine Jungs gar nicht besonders motivieren. Wenn die im Olympiastadion am Sonnabend die Treppen hochgehen aufs Spielfeld, die 74 000 Fans im Stadion sehen und es geht gegen Bayern, will jeder Tore schießen. Außerdem hat Favre mit Marko Pantelic einen Mann, der Tore fast garantiert.Das Gespräch führte Michael Jahn.------------------------------Foto: Die Streifenmänner: Herthas frühere Profis Hanne Weiner, Detlev Szymanek und Erwin Hermandung 1975 (v. l.).

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