Die häufigen Wechsel in der Führung der Hessen Agentur sollen der Vergangenheit angehören. Mit einer neuen Spitze und einer neuen Tochter will die Wirtschaftsförderungsgesellschaft künftig präsenter sein.

Wiesbaden (dpa/lhe) - Die Hessen Agentur will mit einer neuen Leitung in ruhigeres Fahrwasser kommen. Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) stellte am Mittwoch in Wiesbaden Folke Mühlhölzer und Rainer Waldschmidt als Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung vor. Die Hessen Agentur (HA) hatte in den letzten Jahren vor allem mit Wechseln in der Geschäftsführung von sich reden gemacht.

Waldschmidt hat bereits in den vergangenen eineinhalb Jahren die Agentur kommissarisch geleitet. Mühlhölzer kommt aus der Staatskanzlei und soll weiter Sonderbeauftragter des Ministerpräsidenten für den Finanzplatz Frankfurt bleiben.

«Die Hessen Agentur ist für das Land Hessen der Trend-Scout und ein Ohr an der Wirtschaft», sagte Rentsch. Die Agentur habe für dieses Jahr ein Auftragsvolumen von 16 Millionen Euro, davon 6,9 Millionen vom Land. Ihre Aufgaben erfüllt sie mit 73 Mitarbeitern.

Mühlhölzer sagte, die Produktpalette der 2005 gegründeten HA sei zu wenig bekannt. Die Reduktion auf Auslandsreisen und Kongresse sei zu kurz gegriffen. Dies mache nur zwei Prozent der Aktivitäten aus. Vielmehr sei die HA auch als Dienstleister für verschiedene Ressorts der Landesregierung tätig. Als Beispiel nannte er Entwicklungen in der Wasserstoff- und Brennstofftechnologie für das Umweltministerium.

Mit der Gründung einer 100-prozentigen Tochter Hessen Trade & Invest (HTI) zum Jahresbeginn sollen die Aktivitäten der Regionen in Hessen gebündelt und Investoren angeworben werden. Rentsch sagte, man habe sich bewusst für den englischen Namen entschieden, um international bestehen zu können. HTI beschäftige 38 Mitarbeiter und habe im ersten Geschäftsjahr ein Budget von rund acht Millionen Euro. Zwei Drittel davon kämen vom Wirtschaftsministerium, der Rest aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Waldschmidt, Geschäftsführer der HTI, sagte, der Standort Hessen sei nur wettbewerbsfähig, wenn investiert werde. Ausländische Firmen müssten angeworben werden, damit sie sich in Hessen engagieren. Zudem werde HTI vor allem kleine und mittelständische Unternehmen unterstützen, die im Ausland investieren wollten. HTI wolle außerdem interessierten Partnern die Möglichkeit zur Zusammenarbeit bieten - bis hin zu einer Beteiligung.

Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) teilte mit, die Gründung der Tochter HTI sei ein richtiger Schritt. Die Landtagsfraktionen sollten die HA «in Ruhe weiterarbeiten lassen und nach zwei Jahren die Ergebnisse bewerten».