CHARLOTTENBURG. Das Amerika-Haus an der Hardenberg-straße soll jetzt verkauft werden. Heute wird das Thema im Steuerungsausschuss des Liegenschaftsfonds mit Vertretern des Senats und des Bezirks diskutiert. "Wir hoffen, dass in der Sitzung die Rahmenbedingungen für den Verkauf geklärt werden", sagt die Sprecherin des Liegenschaftsfonds, Irene Mischler. Frühestens im Dezember könne die Immobilie dann ausgeschrieben werden. Bereits in den vergangenen Monaten habe es verschiedene Anfragen von Interessenten zum traditionsreichen Haus in der City-West gegeben, sagt Mischler. Das steht seit Herbst 2006 leer, nachdem die US-Botschaft den Mietvertrag für die landeseigene Immobilie gekündigt hatte.Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wünscht sich weiterhin eine kulturelle Nutzung für das 1957 eröffnete Gebäude nahe des Bahnhofs Zoo. Doch die Senatskanzlei hat inzwischen einem "bedingungslosen Bieterverfahren" zugestimmt, mit dem ein Käufer gesucht werden soll, kritisiert Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD). Im vergangenen Monat hatte der Bezirk, der damals von den Verkaufsabsichten überrascht wurde, zunächst einen Aufschub erreicht. Thiemen hat inzwischen Gespräche mit der Senatskanzlei geführt und nochmals mit einem Brief an diese appelliert: Sie bittet darum, ein bedingungsloses Bieterverfahren zu überdenken. "Da käme es nämlich nur auf das Höchstgebot an und nicht auf die städtebaulich sinnvollste Lösung", sagt sie. Das Amerika-Haus befindet sich im sogenannten Kerngebiet. "Dort wäre planungsrechtlich sogar ein Großbordell zulässig", warnt Thiemen. Der Bezirk möchte deshalb ein Bieterverfahren auf jene Investoren beschränken, die kulturelle Nutzungen anstreben.Für eine solche Nutzung setzen sich bereits das Committee Amerika Haus Berlin (CAB), das Institute for Cultural Diplomacy (icd) und der Verein Freunde des Amerika-Hauses ein. "Wir sind mit einem Investor im Gespräch", sagt Alexander Longolius, der Vorstandsvorsitzende der Checkpoint Charlie Stiftung, der Mitglied im Verein der Freunde des Amerika-Hauses ist. Der Investor, der noch nicht genannt werden will, plant nach ersten Ideen einen mehrstöckigen Hotelneubau und will den historischen Flachbau des Amerika-Hauses erhalten. Dort sollen Lesungen, Ausstellungen, Konzerte und Vorträge stattfinden: "Wir wollen den überparteilichen Kulturfaktor, den das Haus in den ersten Jahren seines Bestehens hatte, wiederherstellen", sagt Longolius. Dabei solle der Focus nicht nur auf den USA liegen, sondern auch auf Kanada und Mexiko - "also eine transatlantische Komponente" hergestellt werden.Diese wünscht sich auch die Senatskanzlei: "Die Tradition des Hauses soll fortgesetzt werden", sagt der stellvertretende Senatssprecher Günter Kolodziej. Dennoch unterstützt die Senatskanzlei die Ausschreibung des Hauses durch den Liegenschaftsfonds. Laut Kolodziej sollen Bewerber ein Nutzungskonzept einreichen, für das aus vergaberechtlichen Gründen keine konkreten Vorgaben gemacht werden sollen. "Wir werden gucken, welche Angebote es gibt", sagt Kolodziej. Eine Hotelnutzung erscheine ihm jedoch nicht als abwegig.Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) sieht das anders: "Planungsrechtlich ist ein Hotel dort zwar zulässig. Doch das Gelände ist durch das Amerika-Haus bereits komplett ausgenutzt." Neubaupläne wären dort schwierig zu realisieren. Diese würden auch erschwert, weil nicht nur das Amerika-Haus selbst unter Denkmalschutz steht, sagt er, sondern ebenfalls das gegenüberliegende frühere Bundesverwaltungsgericht, das heutige Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg.------------------------------Haus der US-KulturEröffnet wurde das Amerika-Haus am 5. Juni 1957. Das Gebäude an der Hardenbergstraße 22-24 verfügte über drei Veranstaltungsräume sowie über eine 7 000 Bände und ca. 250 englischsprachige Periodika umfassende Bibliothek.Das Haus war anfangs der zentrale Ort US-amerikanischer Kulturvermittlung in Berlin. Schriftsteller wie John Steinbeck lasen dort, US-Prädident John F. Kennedy war Gast.Mit dem Vietnamkrieg änderte sich die Stimmung, vor dem Haus fanden Antikriegsdemos statt. Nach dem Umzug der US-Botschaft von Bonn nach Berlin wurde es dieser angegliedert. Viele Veranstaltungen waren nicht mehr öffentlich.Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde das Haus mit großem Polizeiaufwand geschützt. Wegen Anschlagsdrohungen wurde es im Jahr 2003 kurzzeitig gesperrt. Bereits damals gab es Überlegungen, das Haus aufzugeben. Die Amerikaner verlängerten dann den Mietvertrag bis 2008, kündigten ihn im Jahr 2006 aber überraschend zum 30. September.Im Juni 2006 beschloss das Bezirksparlament von Charlottenburg-Wilmersdorf, dass im Amerika-Haus ein West-Berlin-Museum eingerichtet werden soll, das an die Frontstadt und die Flüchtlingsströme erinnern soll, aber auch an den Studentenprotest und die 68er-Bewegung. Eine Finanzierung dafür gibt es nicht.Ende Februar 2008 soll das Amerika-Haus zeitweise wieder öffnen. Dort will die Bundeszentrale für politische Bildung eine Ausstellung über die Studentenbewegung der 68er-Generation zeigen.Eine kulturelle Nutzung streben das Comittee Amerika Haus Berlin (CAB), das Institut for Cultural Diplomacy (icd) und der Verein der Freunde des Amerika-Hauses an. Weitere Mitstreiter werden gesucht, Kontakte unter Tel. 42 80 01 11.------------------------------"Bei einem Bieterverfahren ohne Bedingungen zählt nur das Geld, nicht das Konzept." Monika Thiemen, Bürgermeisterin------------------------------Foto: Das Amerika-Haus an der Hardenbergstraße ist seit mehr als einem Jahr geschlossen. Nun soll das geschichtsträchtige Gebäude verkauft werden.