Heinz Knobloch war einer der bekanntesten Journalisten der DDR. Heute wäre er 80 Jahre alt geworden. Er starb vor drei Jahren. Im wieder vereinigten Deutschland gab es keinen Platz mehr für ihn. Es gab dafür einen sehr einfachen Grund: Knobloch war kein Trommler. Er sprach leise. Nur zu denen, die am Lärm vorbeihören und ihren Ohren einstellen auf Nebentöne. Das hatte ihm in der DDR, wo die offizielle Parteilinie alles zu übertönen versuchte, zu einem großen Publikum verholfen. Das hätte ihm auch in der Bundesrepublik, wo die grellen Farben der Reklame alle Zwischentöne überdecken, eine große Gemeinde verschaffen können.Aber wir Bundesrepublikaner müssen uns erst einmal an das Genre gewöhnen, das Heinz Knobloch fast im Alleingang wieder belebt hat. Das Feuilleton, eine Erfindung der Wiener Presse, hatte in den einhundert Jahren zwischen 1830 und 1930 eine steile Karriere gemacht. In den letzten Jahren vor der Machtergreifung der Nazis hatten zum Beispiel Alfred Polgar und Joseph Roth es verstanden, kleine Alltagsbetrachtungen mit einer Zärtlichkeit aufzuladen, die einem Tränen der Verzweiflung über die Brutalität der Menschheit in die Augen treiben konnte. Den Nazis war das Feuilleton eine jüdische Erfindung. Sie merzten es und seine Verfasser aus.In der Bundesrepublik gab und gibt es nur eine Institution, die mit Knoblochs Feuilletons vergleichbar war: das Streiflicht der Süddeutschen Zeitung. Aber man tritt den Kollegen in München nicht zu nahe, wenn man feststellt, dass Knoblochs Jahrzehnte lang "Mit beiden Augen" überschriebene Kolumne in der "Wochenpost" eine ungleich kräftigere Stimme war. Knoblochs heitere Ironie, seine anspielungsreiche Doppelbödigkeit hatte in der DDR einen mächtigen Resonanzkörper.Es wird wohl noch ein paar Jahre dauern bis sein "Misstraut den Grünanlagen!" im wiedervereinten Deutschland ein geflügeltes Wort werden und jeder den "beherzten Reviervorsteher" kennen wird wie unsere Großeltern den Müller von Sanssouci kannten. Heinz Knoblochs Buch über Moses Mendelssohn ist ganz sicher das beste Buch über den jüdischen Aufklärer und eines der besten Bücher zur deutsch-jüdischen, zur jüdisch-deutschen Geschichte dazu.Heinz Knobloch hat sich selbst immer wieder als Berliner Flaneur dargestellt. Er tat so, als streife er durch die Stadt und schreibe nur auf, was er dort sähe und was er über das Gesehene habe lesend in Erfahrung bringen können. Das war ein Trick. Knobloch schützte sich so vor der in seinen Augen verwegenen Idee, ein Schriftsteller zu sein, und er gab seinen Texten damit eine Beiläufigkeit, die sie nicht nur der staatlichen Aufsicht entrückten, sondern ihnen auch eine beneidenswerte Eleganz gaben. Wir sollten aufhören, ihm und seiner Bescheidenheit auf den Leim zu gehen. Wer seine Feuilletons, seine Bücher liest, der wird merken, dass Heinz Knobloch ein großer Schriftsteller war. Einer der wenigen, die es verstanden, an den kleinsten Dingen sich über die größten klar - oder doch wenigstens ein wenig klarer - zu werden.------------------------------Foto: Heinz Knobloch - das Lächeln der Wochenpost.