Heute wird das Urteil gegen den führenden KWer Rechten Carsten S. erwartet: Er war fasziniert vom Ku-Klux-Klan

Frankfurt (Oder). Heute will das Landgericht Frankfurt (Oder) das Urteil über den Berliner Carsten S. sprechen. Dem 24jährigen wird Beihilfe zum Mordversuch an dem Nigerianer Steve E. vorgeworfen, der im Mai 1992 in einer Diskothek in Wendisch-Rietz fast zu Tode geprügelt wurde. S. gilt als ideologischer Kopf der Tat.Carsten S. hat vor kurzem ein Haarschneidegerät beantragt. So kann er dafür sorgen, daß seine Haare auch während der Haft milimeterkurz bleiben. Wie ein brutaler Skin sieht der dickliche 24jährige mit Ansatz zum Doppelkinn trotzdem nicht aus. Von Charisma ist wenig zu spüren, daß Carsten S. eine Führungsrolle in der rechten Szene vor allem in Königs Wusterhausen gespielt hat. Vielleicht kann er gut reden. Doch Carsten S. hat sich entschlossen zu schweigen. Wenigstens in diesem Prozeß. Aus Zeugenaussagen formt sich ein Bild von seinem Leben und seiner Tat.Carsten S. stammt aus Berlin-Neukölln. Elternhaus, Schulzeit, alles normal. Er macht eine Lehre bei der Post und wird plötzlich gekündigt. Der Grund: Carsten S. ist mit Blick auf seine rechte Einstellung für den öffentlichen Dienst nicht mehr tragbar. Kurz darauf fällt die Mauer, Carsten S. zieht in den Prenzlauer Berg und wird Mitglied der inzwischen verbotenen rechtsradikalen Partei Nationale Front. Anfang '91 geht er nach Königs Wusterhausen und kommt bei Leuten aus der Szene unter. Schon vorher ist seine Begeisterung für den Ku-Klux-Klan (KKK) erwacht. Die rassistische Ideologie fasziniert ihn. Er nimmt Kontakt zu Dennis Mahon auf, einem Mitglied des Ku-Klux-Klan in Kansas City, USA. Der ermuntert ihn dazu, eine eigene KKK-Gruppe aufzubauen und ernennt ihn zum Deutschland-Beauftragten des Klan mit dem Titel "Grand Dragon". Kreuzverbrennung Carsten S. gibt eine rechte Schrift namens "Feuerkreuz" heraus, die vor Rassismus nur so strotzt. "Der Nigger ist dem Gorilla näher als dem weißen Mann" wird hier in pseudowissenschaftlichen Artikeln zu beweisen versucht. "Schwarze und Juden sind Nigger, Pestbazillen und Bastarde." Carsten C. vertreibt auch Zielscheiben, Motiv "Neger", fünf Mark für 30 Stück. Ein Berg begeisterter Zuschriften erreicht ihn nach der ersten Ausgabe des "Feuerkreuzes". Höhepunkt der KKK-Phase ist ein Besuch Mahons in Deutschland. Eine Kreuzverbrennung in einem Waldstück bei KW, zu der zehn vermummte Klan-Mitglieder erscheinen, wird auf Mahons Wunsch von einem RTL-Fernsehteam gefilmt.In diese Zeit fällt die Mainacht in Wendisch-Rietz: Carsten S. ist es, der Stimmung gegen den "Neger" macht, die Gruppe beim Prügeln anfeuert und die rhythmischen Ku-Klux-Klan-Rufe anstimmt.Carsten S. wird in dieser Zeit vom Verfassungsschutz beobachtet, der Generalbundesanwalt leitet schließlich ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Gründung einer kriminalistischen Vereinigung gegen ihn ein. Das bedeutet Hausdurchsuchungen und Verhöre. Obwohl dabei verfassungsfeindliches Material sowie Baumaterial für Sprengsätze sichergestellt werden, wird das Verfahren 1992 mangels hinreichenden Tatverdachtes eingestellt. Da ist die KKK-Phase von Carsten S. aber auch schon wieder zu Ende.Carsten S. wendet sich stärker der Skinhead-Szene zu und setzt dabei vor allem auf die "kulturelle Schiene". Er baut einen Vertrieb für rechte "Oi-Musik" auf und gibt ein neues Heft namens "United Skins" heraus, das sich vor allem mit rechten Musikgruppen beschäftigt. Er organisiert das Skin-Konzert in Prieros bei Königs Wusterhausen im Juni 1993, zu dem fast 800 Rechte aus ganz Deutschland anreisen. Zehn Jahre gefordert Auch jetzt im Gefängnis läßt S. den Kontakt zur Szene nicht abreißen. Noch im Januar wurde ein Brief von ihm an den als "Führer von Berlin" und "Chef von Wotans Volk" bekannten Rechten Arnulf Priem abgefangen. Das "Hilfskomitee für nationale politisch Verfolgte" führt ihn als "Kameraden, der sich über Post freut".Staatsanwältin Petra Marx hat zehn Jahre Haft für Carsten S. gefordert. Der Angeklagte sei ein Rassist und gehöre zu den intellektuellen Drahtziehern solcher mörderischer Attacken, hieß es in ihrem Plädoyer. +++