Sie ist die Tochter des Schauspielers Henry Fonda und die Schwester von Peter "Easy Rider" Fonda. Sie selbst hat mit Filmen wie "Barbarella", "Klute" oder "Am Goldenen See" Erfolg gehabt und zweimal einen Oscar gewonnen. In den Sechzigern wurde sie zur engagierten Feministin, in den Siebzigern nannte man sie wegen ihres Polit-Aktivismus "Hanoi-Jane", in den Achtzigern begründete sie die Aerobic-Welle. Seit einiger Zeit wirbt sie als Model für einen Kosmetikkonzern. Heute wird Jane Fonda 70 Jahre alt.Nehmen Sie Ihr Alter tatsächlich so klaglos hin, wie es scheint?Der 40. Geburtstag war schwer. Der 50. auch. Der 60. war am besten, er war fantastisch. Es war ein Anfang. Ich schrieb damals meine Memoiren. Ich teilte sie in drei Akte ein, die jeweils 30 Jahre umfassen. Also begann ich mit meinem 3. Lebensakt im Alter von 60 Jahren. Ich nenne diesen Abschnitt den Anfang, denn so fühlt er sich an. Aber ich habe es mir hart erarbeitet, diesen Zustand zu erreichen: Ich habe stetig versucht, ein besserer Mensch zu werden. Habe gelernt, meine Schwächen zu überwinden. Habe mich meinen Dämonen gestellt. Dachte viel darüber nach, wie ich in diesen letzten 30 Jahren oder jetzt noch 20 Jahren sein möchte. Insofern habe ich hart dafür gearbeitet, diesen Zustand zu schaffen. Doch ich war nie glücklicher.Was betrachten Sie denn als Ihre Dämonen und Schwächen?Die Angst davor, Menschen an mich heran zu lassen. Angst vor Intimität. Diese Angst entwickelt man, wenn man sehr klein ist, Intimität zu etwas Gefährlichem wird und man versucht, sich dem zu entziehen. Doch mit diesem Gefühl will ich nicht sterben. Ich will noch in der Lage dazu sein können, intime Beziehungen zu haben - zu meinen Freunden, den Kindern und meinen Geliebten.Haben Sie das erreicht?Ja. Dazu musste ich mich allerdings sehr gründlich mit meinem Leben auseinandersetzen und lernen, meine Eltern zu verstehen - warum sie so geworden sind wie sie sind. Vergebung ist wichtig. Dazu gehört auch, sich selbst vergeben zu können.Haben Sie den Männern an Ihrer Seite vergeben?Ja, denn es geht darum, zu verstehen, warum Menschen so sind wie sie sind. Es gilt, die Kräfte, die in unserer Gesellschaft wirken, auszumachen. Das ist in Deutschland nicht anders als in Frankreich oder Amerika - dieser Druck, der auf Männer ausgeübt wird, damit sie in einer bestimmten Weise funktionieren. Sie sollen ihre Gefühle nicht zeigen, doch dadurch betäuben sie ihre Herzen, trennen Herz und Verstand voneinander. Sie tun dies auf unterschiedliche Art - Glücksspiel, Alkohol, häufiger Sex, exzessives Arbeiten. Damit vermeiden sie, sich zu öffnen - sich selbst wie dem Leben gegenüber. Wer das verstanden hat, realisiert, dass der einzelne Mann keine konkrete Schuld hat und kann ihm vielleicht sogar dabei helfen, diesen Druck zu überwinden.Würden Sie noch einmal heiraten?Liebe, eine Affäre ja. Aber eine Ehe, nein. Ich will nicht mal mit jemanden zusammen leben.Ihr Vater Henry galt als kühl und kauzig. War Ihr Verhältnis bis zuletzt problematisch?Schon. Mein Vater starb fünf Monate, nachdem "Am Goldenen See" in die Kinos gekommen war. Ich hatte das Material entdeckt und wusste auch, dass er bald sterben würde. Dies war sein letzter Film - und unser erster gemeinsamer. Ich hatte ihn damals auch produziert. Mir war es wichtig, diesen Film zu machen, weil es darin um die Versöhnung zwischen Vater und Tochter ging.Welche Themen haben sie beide denn getrennt?Ich kam mir als Tochter in der Gegenwart meines Vaters wie ein Nichts vor. Mein Vater konnte ziemlich harsch sein und seine Zuneigung gründlich verschleiern. Aber im Film gab es eine Szene, am See, wo ich meinen Vater abpasste, um ihm zu sagen, dass ich ihm verzeihe, ihn liebe. Dabei streichelte ich ihn am Arm. Mein Vater war ein Perfektionist und wollte auf jede Geste, jeden Blick vorbereitet sein. Doch dieses Streicheln war nicht abgesprochen. Und ich merkte, wie er zusammenzuckte und wirklich berührt war. In seinem Inneren war etwas passiert. Das war für mich ein magisches Erlebnis, das wunderbarste meiner Karriere!1992 haben Sie sich vom Schauspiel zurückgezogen. Erst 2005 kamen Sie wieder zum Film. Warum der Rückzug, und warum das Comeback, und wie geht es weiter?Meinen letzten Film, "Stanley und Iris", hatte ich sogar schon 1989 gedreht. Ich war unglücklich damals. Und es ist schwierig, kreativ zu sein, wenn man unglücklich ist. Die Kreativität ist unser Instrument und wenn das versagt, dann ist das schmerzvoll. Deswegen entschloss ich mich, nicht mehr weiterzumachen. Dann traf ich Ted Turner, wir heirateten, und ich "musste" gar nicht mehr arbeiten. Nach zehn Jahren ließen wir uns scheiden, und ich begann, meine Memoiren zu schreiben. Nachdem ich drei oder vier Jahre daran gesessen hatte, stellte ich fest, dass ich mich sehr verändert hatte.Welche Veränderungen gab es?Ich hatte mich durch das Schreiben gründlich mit mir auseinandergesetzt. Und als ich mein Buch fertig hatte, wurde mir "Das Schwiegermonster" von Jennifer Lopez angeboten. Bei der Rolle der fiesen Schwiegermutter dachte ich nur: "Mensch, so eine habe ich noch nie gespielt, das macht bestimmt Spaß." Und genau den wollte ich haben. Spaß! Eine ernste Rolle hätte mich nicht interessiert. Und da war sie plötzlich wieder da, die Freude an der Arbeit.Sie werden also weiter drehen?Ja, solange ich Angebote bekomme. Es liegt ja nicht nur an mir. Es müssen auch Firmen einen Film mit mir finanzieren wollen.Und wie sieht es mit Ihrem politischen Engagement aus?Ich kämpfe heute anders. Ich habe vor fast 13 Jahren zwei gemeinnützige Organisationen in Atlanta gegründet, wo ich wohne. Wir kümmern uns um 9- bis 19-Jährige und konzentrieren uns auf die Themen Sexualität, gesunde Fortpflanzung und die Geschlechterrollen. Wir beraten Politiker, um sicherzustellen, dass sich die Gesetzgebung der Heranwachsenden und ihrer Familien annimmt. Dann bilden wir Erwachsene aus, die mit den Jugendlichen arbeiten. Ich bin die Geschäftsführerin dieser Organisationen, nichts findet dort ohne meine Zustimmung statt. Aber meine Haupttätigkeit ist die Beschaffung von Geld. Auf internationaler Ebene arbeite ich daran, die Stellung von Frauen und Mädchen zu stärken.Ist es für Sie kein Widerspruch, für einen Schönheitskonzern zu werben und gleichzeitig für die Gleichstellung der Frauen zu kämpfen?Nein. Überhaupt nicht! Nein, das ist ein altmodisches Verständnis von Feminismus aus den Sechzigern. Jetzt sind wir dreißig, vierzig Jahre weiter. Feminismus hat einfach nichts damit zu tun, ob man Makeup trägt oder nicht. Es geht dabei um die eigene Selbstwahrnehmung! Darum, dass sich Frauen darüber im Klaren sind, dass sie ein Grundrecht darauf haben, sich selbst zu verwirklichen. Egal, ob sie zu Hause bleiben, Kinder aufziehen oder im Beruf Karriere machen. Sie haben das Recht auf gleichen Zugang, gleiche Möglichkeiten wie ein Mann. Das ist Feminismus. Ob du dabei Makeup trägst oder nicht, ist irrelevant.Interview: Mariam Schaghaghi------------------------------"Ich habe mich meinen Schwächen gestellt und stetig versucht, ein besserer Mensch zu werden."------------------------------Foto: Ihr 3. Lebensakt sei der glücklichste, sagt Jane Fonda.